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Jetzt wieder mal grundsätzlich

Man sagt mir hin und wieder, ich sei dauernd gegen irgendetwas. Dauernd? Sagen wir, ab und zu. Objekte und Subjekte gibt es ja täglich und ausreichend.

Zum Beispiel Hundenarren, Veganer, Weltmeisterschaften, Oktobersausen im Thermalbad, machtzerfressene Staatspräsidenten, McDonalds & Co., Islamisten,  Stadtkrachfeste, Musikschrott, Velotaliban, die Nationalhymne, Pop und Tanzen in der Kirche oder Künstliche Intelligenz.

Oder in der selbstgefällig um sich kreisenden Kunst- und Literatur-Szene mit ihren wöchentlichen «Jahrhundertwerken der Saison». Hinzu kommen die Muttertage, Wolkenschiebereien in den Esosphären mit ihrem irrationalen Gesäusel.

Und nicht eben gerne erinnert man sich an die lausige oder revisionistische Geschichtsauslegung z. B. Russlands, die Handysuchthaufen und die Stilblüten in unseren Intelligenzblättchen, ja sogar an die Irrwege von JAGUAR. Und schon gar nicht vergesse man die Infantinoralisten und die «Autisten für Deutschland», Peach Weber nennt es «Anstandslosigkeit für Deutschland».

Das war's fürs Erste. Man hat nun mal seine Reserven, und man beharrt auf kritischer Distanz. Von Begeistert-Sein keine Rede. Das müssen wir auch nicht. Es genügt, wenn sie uns entgeistern. Und das tun sie.

Das haben die schon seit meiner frühsten Jugend getan. Zum Exempel Musik. Gemocht habe ich mit ein paar Ausnahmen das verschliffene Rockgebrüll eigentlich nie. Beachtet schon, aber als Zwölfjähriger hörte ich lieber Petruschka von Strawinsky oder Bruckners Neunte.

Kein Scherz: Das war so. Der Nachbarin gefielen die geschenkten LPs nicht. Mir schon. Da ist man dann gestempelt für alle Zeiten als elitärer Snob. Ja, dann halt. Lieber ein Snob als Mob.

So hat das schon früh begonnen, was ich heute Abneigung gegen und Flucht vor dem Publikumsgeschmack nennen würde. Dieser wohlgemeinte Terror der fröhlichen Mehrheiten forderte Widerspruch heraus. Denn ich vermutete, das könne es doch nicht gewesen sein. Jedenfalls für mich nicht.

Obschon, ab und zu ignorierte ich das alles und neigte dann zur Resignation. Tucholsky hat das schon früh und längst gewusst:

Sag mal, verehrtes Publikum:
bist du wirklich so dumm?
Ja, dann ... Es lastet auf dieser Zeit
der Fluch der Mittelmässigkeit.

Aber ich bin auch nicht wie diese Russen, die gleichmütig und gleichgültig den Mittelfinger in der Hosentasche strecken. Dabei ist es doch ganz einfach: Man will doch mitreden. Oder mitschreiben, im intellektuellen Getümmel und «Gewühle des Lebens» dabei sein.

Das beginnt dann meist mit ein paar ersten schon sehr deutlichen Sätzen für eine Satire. Denn vieles ist einfach nur lächerlich. Sogar die Mistkerle der Diktaturen. Die sind im Grunde genommen wirklich zum Lachen. Dies allerdings mit einer mörderischer Komponente: Gefrierlachen.

Gegen die gibt’s dann gratis eine Philippika, welche wieder wohlmeinende Kommentare einbringt, die aber auch an zwei Gedichtzeilen erinnern, die mein kritisches Lagebild gekonnt verdeutlichen:

«Herr Kästner, wo bleibt das Positive?»
Ja, weiss der Teufel, wo das bleibt.

Wahrscheinlich auf der Strecke. Nun könnte ich ja nach der Devise arbeiten, nur dort zu kritisieren, wo ich was beeinflussen und im besten Falle etwas ändern könnte. Aber auch diese Illusion habe ich schon lange nicht mehr.

Ich bin schon zufrieden, wenn der Text sich abhebt von dem wässrigen Geschreibe der Druckmedien und etwas Originalität des Ausdrucks ausstrahlt, will sagen, nicht wie jedermann daher trottelt und Sätze hervorbringt, für die man sich schämen müsste.

Also doch so was wie Kunst? Was nach getaner Schreibarbeit real geschieht, ist mir eigentlich komplett egal. In der Regel nämlich passiert da gar nichts. Manche denken wahrscheinlich, lasst den doch schreiben, dann gibt er Ruhe, und etwas bewirken tut's ja eh nicht.

Es wäre trotzdem gut zu wissen, was geschähe, wenn ich mal rein experimentell einen Politiker als chronischen Voyeur oder labilen Hosenscheisser vorstellte. Oder für ihn Adjektive wie lächerlich, ausgelutscht, seicht, trivial, witzlos, bösartig und krank verwendete. «Da schaun mer mol», sagt jeweilen Oberstlt Moritz Eisner im Wiener Tatort.


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Kommentare (2)

Jirgi Petrow am 09.10.2026 16:33

Sagen Sie doch bitte, was hat Ihr Beitrag mit dem Artikel da oben zu tun?

Fritz Erni am 09.10.2026 12:52

Lieber Valentin
Es gibt nichts Langweiligeres als Leute, die nur jammern und kritisieren. Die Schlimmsten sind die, die der Meinung sind, dass nur sie recht haben. Und Langweiler reden stündlich vom Wetter, nachdem sie auf ihr Handy geschielt haben. Dass man auch zum Himmel hinauf schauen kann. haben sie vergessen.

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