Satiren

Die Wäffligers und die Politik

Alphons sitzt am Küchentisch und liest die Zeitung. Plötzlich stutzt er, schaut um sich und ruft nach seiner Frau.

Alphons: Paula? Wo bist du?
Paula: -
Er: Pauuulaaa! Wo steckst du?
Sie: Hier. Was ist denn?
Er: Hier, bitte lies das.
Sie: Was denn? 
Er: Hier, oben links.
Sie: Ach das. Das habe ich gestern schon im VOLG gehört.
Er: Und? Was denkst du.
Sie: Die werden nicht gewählt, weder sie noch er.
Er: Warum denn nicht?
Sie: Sepp Müller-Righatoni ist ein Schnorrer und eine Pfeife.
Er: Und die Arnika Wuttinger?
Sie: Eine Sirene.
Er: Du meinst, viel Lärm und ein paar Fehlalarme?
Sie: Ja, und das in den höchsten Tönen.
Er: Kann sein. Oder sie kennt den Herrn Wittgenstein nicht.
Sie: Wen bitte?
Er: Wittgenstein: Der hat mal gesagt, worüber man nicht sprechen könne, darüber müsse man schweigen.
Sie: Na ja, wenn's nur das wäre. Die reden beide trotzdem ... und zuviel.
Er: Stimmt auch wieder. Und sie steigt doch wegen jedem Mumpiz auf die Palme.
Sie: Du meinst, die kann sich nicht beherrschen.
Er: Vor allem, wenn sie nicht weiter weiss.
Sie: Dafür ist dann der Sepp allwissend. Glaubt er jedenfalls.
Er: Wenn der redet, wollen alle nach Hause.
Sie: Ja gut. Aber eloquent ist sie auch nicht gerade.
Er: Und die sagt zum Beispiel infisziert und technisch serviert.
Sie: Na gut, das kann vorkommen. Müsste aber nicht.
Er: Ihr Problem. Aber mir gefällt vor allem ihr politisches Programm nicht.
Sie: Du meinst, beide sind sogar für die Region zu rechts. 
Er: Stimmt. Was ich gehört habe, schwärmen beide für die AfD.
Sie: Und beide sind auch total gegen die EU.
Er: Was für die Wahl in den Gemeinderat von Schattenwil-Hinteregg ja sicher relevant ist.
Sie: Aber sicher. Jetzt mal generell, Alphons, was ist an den beiden schon relevant?
Er: Du denkst, das reicht nicht einmal für ein Gemeinwesen. 
Sie: Kann schon sein. Und? Willst du gegen die was unternehmen? Leserbrief? Plakat?
Er: Nein, wozu den Aufwand? Die werden nicht gewählt. Und das mit Gütesiegel.
Sie: Ja gut, aber sag' mal. Das wäre doch was für dich?
Er: Was bitte?
Sie: Gemeinderat.
Er: Habe ich mich jetzt verhört? 
Sie: Nein, nein. Du hast rhetorisch was drauf. Und du kennst Krethi und Plethi.
Er: Ja mag sein, aber ich bin doch kein Masochist.
Sie: Du meinst ... ?
Er: ... ich meine das Genörgel, die gehässigen Anwürfe, anonyme Briefe, Angriffe auf die Person, statt sachliche Argumente.
Sie: Jaja, schon gut. War nicht ernst gemeint. Ich hatte schon Angst, du würdest ... !


Kommentare (1)

Beat Schirmer am 01.05.2026 10:53

Schön, lieber Valentin, Wäffligers stimmige Dialoge wieder zu lesen. Übrigens: Charles Lewinskys Roman 'Eine andere Geschichte' ist als Monolog auf seine Art anregend.

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