Kritikon

Pilot, statt nach Palma auf der Palme

Dass der Verkehr zunimmt, zumindest auf Strassen, zur See und in der Luft, diese Erkenntnis ist so banal wie die Tatsache, dass Morgenstund nicht immer Gold im Mund hat. Und dass uns, wie diesem ungeduldigen Piloten, manchmal harsche Worte entweichen, sehen auch wir nicht als Sternstunden unseres gestressten Seelenlebens. Doch hören Sie selbst:

«Es isch e Katastrophä. (…) Es isch eifach wieder mal zum Chotzä da z'Züri. Echt! Ich ha d'Schnauzä voll däm huerä Drecksplatz, tschuldigung.»

Nein, ein Aargauer war das nicht, der sich grobschlächtig über Zürich auslässt. Auch kein Basler, sondern ein Pilot, der sich seit dreissig Minuten über einen dauernd verschobenen Slot (Start- und Landezeitfenster) beim Tower beschwert.

Natürlich walzt die Presse diese Ungezogenheit eines entnervten Luftchauffeurs bis zur Unkenntlichkeit platt. Entrüstungsposaunisten und Empörungsvirtuosen konzertieren. Moralprinzessinnen und Frömmelschwäne fauchen erregt in die Gegend.

Sind die nun zurecht auf der Palme? Das fragt man sich. Nein, ist doch einfach zu anstrengend, da rauf zu klettern. Und schon gar nicht für diesen Luftzwischenfall, den man allenfalls unter dem Titel Unprofessionalität abtun könnte.

Aber eine Katastrophe ist das nicht. Weit belastender sind Leute, die nie explodieren, die permanent und ausgewogen schweigen, dauernd Impressionen austarieren und ihre Emotionen den gesellschaftlichen Usanzen und Sitten anpassen, bis sie keine mehr haben, sondern wie Roboter nur noch utilitaristisch und politisch correct funktionieren.

Da ist mir eine Person genehmer, die einmal kurz ausrastet und sich dann wieder auffängt. Gleichwohl, à la longue sind Dauerkracher genau so unerträglich wie jene, die still und leidend mit ihrem Schicksal hadern und es als süsssauren Dauerlutscher behandeln.


 

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Papst Paul VI. und Tomatensaft

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Papst Paul VI. (Im Volksmund: Pillen-Päuli) heiliggesprochen. Wofür denn bitte? Für seinen Beitrag zur Bevölkerungs-explosion mit dem Verbot der Antibabypille? Heiligsprechen sollte man Frauen, die sich vorher überlegen, ob sie Kinder wollen. Ob Giovanni Battista Montini wusste, was ein Pariser ist? Aber sicher doch: Ein Mann, der z B am Faubourg Saint-Germain wohnt.

Zentrale Frage der Human-gemeinschaft: Soll in Flug-zeugen Tomatensaft angeboten werden, ja oder nein? Die Bewertungsgesellschaft ist herausgefordert. Immerhin hält die Zeitung fest, dass die Relevanz dieser News als gering bezeichnet werden darf. Warum aber bringen sie es dann trotzdem? Weil in den Sozial-Media sonst das Geglicker und Geklacker verstummen würde und dann, oh peinliche Stille, tote Hose herrschen würde? Ich bestell’ sie ab, die Zeitung, nicht den Tomatensaft. Keine Spur von Zweifel mehr.

Wenn Phrasenblasen blubbern

15. November 2018

Wenn konkrete Inhalte nichts hergeben, weil nicht vorhanden, dann kleistert man die Leere mit abstrahierenden Begriffswelten zu und benutzt abgegriffene Hohlformeln wie jüngst in einer Kolumne geschehen.
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Laberlaberlaber-Poetik des Alltags

26. Oktober 2018

Ein guter Freund hat geschrieben:
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