Kritikon

Blick vom 8. Mai 2018
«Saufen, feiern, f...!»

Im Fitness-Center liegt täglich der «Blick» auf dem Clubtischchen und mir auf dem Magen. Und Tag für Tag konfrontiert er mit Titelseiten in CinemaScope und Dolby®Stereo wie etwa «Rubbeln bis zur Ohnmacht» oder «Bachelorette verliert Zigarette!»

An diesem 8. Mai 2018 wurde nicht etwa der bedingungslosen Kapitulation der grossdeutschen Wehrmacht und damit des Endes des Zweiten Weltkrieges in Europa gedacht.

Nein, wir wurden mit der Headline «Saufen, Feiern, Liebe machen!» also mit der verkürzten Inhaltsangabe des Nati-Songs - bitte auf Aussprache achten: Natzi nicht Naazi - von DJ Antoine beglückt. Demnach weit gefehlt, wer jetzt dachte, die Schlagzeile beziehe sich auf das Kriegsende-Gedenken als Ausdruck der Freude über diesen Jahrestag.

Vielmehr handelte es sich offenbar um die Generaldevise für die bedrohlich nahenden Fussball-Welt-Meisterschaften, von denen wir hoffen, dass sie uns nicht dauernd an das grössenwahnsinnige Gegröle in den Arenen des Deutschen Reiches wischen 1933 und 1945 zu erinnern nötigen.

Aber damit nicht genug. Irgendein Blick-Journi stellt uns kommentierend auch noch die bewegende Nati-Fussball-Frage: «Schwachsinn oder Zeitgeist?» Ich sage nur wie immer militant intolerant: Zeitgeist ist Schwachsinn.

Und wenn wir schon mal beim «Blick» gestrandet sind. Einmal nur möchte ich es loswerden, dann nie wieder. Der «Blick» ist die Jauche, in deren Gruben er herumschnorcheln zu müssen glaubt. So, das war's. Kein Wort mehr. Lohnt nicht und bewirkt nichts.

Kommentare (1)

Fritz Kamer am 10.05.2018 10:33

Lieber Valentin
Damit Dir der «Blick» nicht den Magen verdirbt (eigentlich zu viel Ehre für das Käsblatt) hast Du (wie immer im Leben) zwei Möglichkeiten:
1. Augen zu und durch (die Klubtische),
2. Nicht mehr fitten.
Gruss F.

Wo sind wir hier denn eigentlich?

18. Mai 2018

Ist doch klar, in Bellinzona. Das sieht man doch: Das Castello und das Verkehrsschild im Hintergrund verdeutlichen es. Die Leutchen hier stehen auch symbolisch vor einer «Verbotenen Fahrtrichtung» (Einbahnstrasse). Aber was genau haben die zweieinhalb Knasterbärte hier verloren? Ihre Unschuld? Ihre Sprache?
Weiterlesen

«Oh my God!» Nichts zu kritisieren.

28. April 2018

Welches ist der worst case für den Kritiker? Wenn’s ums Verwürgen nichts zu kritisieren gibt. Nicht einmal an Pedro Lenz oder an unseren Parteien. Sie tun ihr Bestes.
Weiterlesen

Eine weitere gesüsste Replik

14. April 2018

Zeitungslektüre ist hilfreich. Jedenfalls für den Kritiker. Schon wieder wurde er herausgefordert. Von Journalist H.H., Herrn Wolff und dem Zuckerbäcker vom Facebook. Und als Zugabe noch ein wenig moderne Poesie.
Weiterlesen