Aphorismen

Ammannwahlen und Parteikassen

Müller oder Meier? Man fragt sich, ob‘s edler im Gemüt, einen Neuanfang zu wagen mit Kohler in Baden und Horlacher in Brugg. Der politische Philosoph, Dr. phil. K. Kracher, kommentiert zudem auch das poetische Verhältnis eines (Ex-) Grossrates zum Geld seiner Partei.

In Brugg soll eine Grüne die Werbe-Strategie eines seit der Bezirksschule um Anerkennung buhlenden, bis jetzt erfolgreichen Raffinesse-Politikers durchbrechen, in Baden eine Parteilose die anstrengenden Anmassungen eines Selbstporträtisten.

Eines ist gesichert. Der jede Woche mindestens einmal in Bild und Text wie zufällig medial erscheinende Brugger Ammann-Kandidat wird sich Pudelmütze und Fausthandschuhe anziehen müssen. Das wird keine Jurawanderung in gedämpftem Sonnenlicht unter schattigen Bäumen.

Denn die Kandidatin der Grünen ist nicht irgendwer. Sie wird vielseitig gerühmt und mit Lorbeeren bevorschusst. Sie habe sich als Präsidentin des Brugger Einwohnerrats bewährt und geniesse eine breite unbestrittene Akzeptanz. Es wird sich allerdings noch weisen müssen, ob ihre Wählerbasis robust genug ist, die ehrgeizigen Absichten des omnipräsent strampelnden Marketingstrategen zu perforieren.

Wie auch immer. Weil auch er tief im politischen Kuchendaaig zu stecken scheint, wird der unermüdlich rührige Politit-Titan vermutlich den bisherigen gemütvollen und kleinstädtisch spitzwegartigen Courant normal fortsetzen, mit innerorts dreissig kmh und mit den unumgänglichen Flachheiten des Politalltags.

Brugg ist Brugg und bleibt Brugg mit oder ohne Schinznach-Bad: Nämlich provinziell, profan, profilbemüht und selten mal profund. Das ist aber ein verbreitetes Phänomen und durchwegs gut so. Denn es verhütet latente Selbstüberschätzung und campesken Grössenwahn.


Grossrat zieht Konsequenzen

Ammannwahlen und Parteikassen

Nun ist er also zurückgetreten, der SVP-Grossrat aus dem Bezirk Brugg. «Zu Recht», denkt der gradlinig Gesinnte. Denn wer für eher private Anlässe Geld der Parteikasse entnimmt, hat vielleicht doch ein etwas poetisches, naives oder eigenmächtiges Verhältnis zu Besitz und Buchhaltung. Unbestritten: Er hat die Konsequenzen gezogen. Das war unausweichbar und richtig. Jetzt allerdings von einem SVP-Finanzskandal zu schreiben - so geschehen in der AZ - ist nicht ein Fehlgriff in die Kasse, sondern ein Missgriff in die Wortschatz-Schatulle.


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