Kritik

Indolenz, die Krankheit in eisiger Epoche?

Wie will man das Wort übersetzen? Schmerzfreie Gleichgültigkeit, Gefühlskälte oder Stoa für Anfänger? Achselzucken als habituelle Reaktionsform?

Was wäre dann ein indolenter Mensch? Wenn überhaupt Mensch? Ein Kerl ohne Mitgefühl, eine Frostbeule ohne Empathie? Ein Regenwurm hat mehr davon.

Oder wie wär’s mit träger und fauler Sofakartoffel? Mit passiver und lethargischer Stumpfbacke? Mit einem phlegmatisch und apathisch Erstarrten. Oder mit einer neuen Eiszeit? Die Salzsäulen der Moderne?

Man kann nach Synonymen forschen, bis uns die Langweile übermannt. Das Fremdwort sticht nach wie vor und eindeutig. Also bleiben wir bei Indolenz, dem Stickstoff unseres Dezenniums.

Beispiele gefällig? Poser und Raser. Zynische Coolness der Manager. Die Diskrepanzen zwischen reich und arm. Skrupellose Giftmorde und kaltblütiger Terrorismus gegen Unschuldige. Aber auch die ahnungslos naiven Abderiten oder die Leute von Seldwyla.


Nachtrag

Aber wahrscheinlich bestätigen Schopenhauer und Voltaire im Bezug auf eine generalisierte Indolenz eine weitere Erkenntnis, wenn sie sagen:«Im Allgemeinen freilich haben die Weisen aller Zeiten immer das Selbe gesagt, und die Thoren, d. h. die unermessliche Majorität aller Zeiten, haben immer das Selbe, nämlich das Gegenteil getan: und so wird es denn auch ferner bleiben. Darum sagt Voltaire: Nous laisserons ce monde-ci aussi sot et aussi méchant que nous l'avons trouvé en y arrivant.» 

Und aufs Ganze gesehen ist sie so unfreundlich und kalt wie ehedem. Machen wir uns da keine Illusionen.

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Und noch dies:

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A propos Verskunst. In memoriam Metternich:
Da gibt's einen Schüttelreim.
Hier in der anständigen Fassung:

Was kümmert mich Fürst Metternich?
Mein Vetter liebt viel netter mich.

Hinweis auf die Rubrik DAS AKUTE ZITAT

img

Hier zum höheren Amüsement Verskunst vom Feinsten mit Schüttelreimen. Hier geht's 

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