Kritik

Wenn Phrasenblasen blubbern

Wenn konkrete Inhalte nichts hergeben, weil nicht vorhanden, dann kleistert man die Leere mit abstrahierenden Begriffswelten zu und benutzt abgegriffene Hohlformeln wie jüngst in einer Kolumne geschehen.

Es wuchern dann Wortkrebsgeschwüre und schwellen babylonische Ungetüme heran wie: «Finanz- und Kompensationsberichte, Corporate Social Responsibility (CSR), Unternehmensverantwortung, Nachhaltigkeitsberichte, Verantwortungs-übernahme, Corporate-Governance-Studie, global diversifizierte Portfolios, Unternehmenskultur, Diversität, Konzernverantwortungsinitiative».

Phrasenblasen blubbern munter in ihrem eigenen Sumpf; und man zitiert unwillkürlich und gerne wieder Karl Kraus, der uns seine Absichten mit seiner Sprache eröffnet: «Was hier geplant wird, ist nichts als eine Trockenlegung des weiten Phrasensumpfes.»

Dazu ein weiteres gekürztes Beispiel einer Apotheose des Nichtssagenden: «Die Aufgabe (...) in diesem Projekt lässt sich in zwei Phasen gliedern: Erstens geht es ums Erarbeiten von Instrumenten, auf die Städte ihre Entwicklung abstützen können. Konkret (Wie bitte? Konkret?) handelt es sich um einen Musterprozess für eine rollende Planung und um ein Vademecum. Das ist ein Nachschlagewerk mit Ideen zur Behandlung von häufig auftauchenden Fragen im Zusammenhang mit der Entwicklung. In der Phase 2 geht es um die Anwendung der in Phase 1 erarbeiteten Instrumente, also den Start des Entwicklungsprozesses nach erarbeiteten(m) Musterprozess.»

Fazit: Wen schon interessieren die Prozesse? Die Leute wünschen sich konkrete Lösungsansätze. Nicht erst nach ein zwei Jahren will man Vorschläge zu hören bekommen, die  schon seit Jahrzehnten geäussert worden und bekannt sind. Und weil man sich dann wieder nicht einigen kann, wird da capo eine neue Studie auf Abstraktionsstufe verlangt; und das Ganze beginnt von vorne und wird ad libitum weitergeführt, dies sehr zur pekuniären Freude der Planungsadministranten.


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Soeben diesen Wundersatz in der AZ aufgespürt: «Der Cayenne kann vernünftig.» Ja, und der Schreiber sollte sich nicht an BILD orientieren.

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