Kritik
«Tanz und Musik in der Kirche»

Erstmals wurde das Format «Tanz und Musik» in einer Kleinstadtkirche aufgeführt. Das soll Teil einer Zukunftsstrategie sein; und das mit Liebesgedichten aus dem Hohelied der Bibel, das den Kirchenraum in einen Ort des Aufbruchs verwandeln soll. Klang, Bewegung und Poesie würden so zu einer Hommage an das Leben verschmelzen.
Das mag ja sein, aber hach, wir sind dennoch nicht hin und weg vom «Aufbruch und von der Hommage an das Leben»; und das «in einer Kirche, die lebt». Tanz und Gebet, die Symbiose für die Zukunft einer Kirche, die angeblich Pfarrstellen streichen muss, der die Leute davonlaufen und die mit Vorzug lieber in einer privaten Spiritualität sich ergehen, erregen oder sich gleich im Theater erleben wollen.
Um es sofort klarzustellen: Nichts dagegen. Von mir aus auch Picknik im Chorraum, Jassen auf der Empore, Fangspiele um die Bänke und Seifenblasen in der Sakristei. Hauptsache das Marketing stimmt.
Ja, auch das, warum denn nicht? Nach gläubigem Gitarrengeklampfe und ungeschickten, schwachbrüstigen und teilweise echt lausigen Versen jetzt auch noch Tanz am Altar, wie dereinst im Kloster Fahr und Königsfelden, wo die allgegenwärtige Choreografin seit Jahrzehnten in Sakralräumen ihre Leidenschaft für die Hupfdohlerei dieses Mal mit «Tanz im Abendgebet» ausleben konnte und kann.
Es scheint die Glaubensverwaltungen nicht zu befremden, wenn es mit populistischen Tricksereien gilt, das Publikum bei der Stange – Bei der Stange? Da sei Gott vor! – aber in den Kirchenbänken zu halten.
Vielleicht wird man in unseren Glaubenshäusern demnächst rappen, slammen, breakdancen, indierocken, hiphoppen und uns mit anderen Formen des schlechten Musikgeschmacks triezen. Ob dann Poppen in der Sakristei auch dazu gehört, wollen wir nicht näher abklären.
«Die Kirche hat als Leitkultur ausgedient», sagt zumindest ein Pfarrer Zürn. Wahrscheinlich stimmt das. Er habe deshalb eine Umfrage angeregt, ob die Kirchgänger und Gängerinnen diese Showbiz-Seelsorge wünschen, oder doch eher der guten alten Spiritualität mit Gebet und Kontemplation anhängen. Ob's nicht besser fürs Gemüt wäre, den Gläubigen eine private Gottesfurcht ohne Klimbim und wallende Gewänder zu empfehlen?
Wie schrieb doch Friedrich II. so schön Deutsch? «Die Religionen Müsen alle Tolleriret werden und Mus der fiscal nuhr das auge darauf haben das Keine der andern abruch Tuhe, den hier mus ein jeder nach Seiner Faßon Selich werden.» Und sei's halt mit Tanz und Gebet ums Goldene Kalb.
Stilblüten des Tages
«Die Debatte war ein wilder Ritt.»
Und die Headline ein Tritt ans Stilbein.
«Herzensentscheid für Kunstrasen.»
Mein Herz schlägt für die Natur.
«Das Vertrauen in die Polizei kitten.»
Wozu denn? Es hat bei mir noch nie gelitten.
«Der Aargau kann mehr als Rüebli.»
Ja, was kann er denn? Hilfsverben nutzen?
Der banale Satz des Tages
Demnächst mehr.

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Kommentare (1)
Ist Ihnen eigentlich gar nichts mehr heilig, Sie Kunstbanause? Zuerst beleidigen Sie dauernd uns Frauen und jetzt auch noch die Gläubigen, die sich an neuen Gottesdienstformen freuen wollen. Ist doch immer noch besser, als leere Kirchen. Zum Glück gibt es noch andere Leute wie Sie.