Kritik

Le style est l'homme même. (Buffon)

Nein, nicht Gianluigi, der Torhüter, sondern Georges-Louis Leclerc, Comte de Buffon, hat das gesagt. Die Lektüre unserer Journale und Gazetten bestätigt das Zitat, allerdings eher konträr. Denn sie eröffnet immer wieder bestürzende Erkenntnisse über Mängel an Sprachgefühl und Stil. Hier ein paar kommentierte Beispiele jüngster Provenienz, wo der Stil den Mann und die Frau im Stich gelassen hat.

«Den Ausklang der Veranstaltung bildete ein Apéro riche im Kirchgemeindehaus.» Mit gebildeten und klingenden Thunfisch-Sandwiches? Singenden Schinken-Gipfeli und flötenden Spargel-Kanapees?

«Die Kirche XY war gut besetzt.» Von wem bitte? Von der 5. Division der Sternenflotte oder doch nur von einer Zenturie der LEGIO XI (Claudia und Ehrenbezeichnung Pia Fidelis, pflichtbewusst und treu) von Vindonisssa.

«Der Kelch mit Vernunft und Einsicht ist wohl weit an Amerika vorbeigegangen.» Also schwimmt jetzt auf dem Atlantik ein Kelch gefüllt mit falschen Metaphern. Da sind die Amis aber froh. Die haben ja sonst keine Sorgen.


Hier gleich noch drei neue stilfloristische Beispiele.

«Sie (eine BR-Kandidatin) könnte als Zugpferd dieses brachliegende Potential abholen.» Also bitte. Warum nicht gleich als Ackergaul eine Tonne politische Bracherde abschleppen?

«Es stehen schwere Vorwürfe im Raum.» Fehlt nur noch die Gewichtsangabe, auch hier in Tonnen.

«Mit Herzblut unterstützen sie von klein auf ihren Verein.» Und der Verein watet also jetzt im Herzblut? Da hat er aber schon sehr bald keine Fans mehr.


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