Kritik
Politik und anämischer Jargon
Version 2

Lasst uns heute mal mit Theodor W. Adorno beginnen. Was? Neeiiin! Hilfeee! Da muss ja man mitdenken. Ja, das sollte man vielleicht.
Also primär tut man das kritisch und vor allem immer dann, wenn Signalwörter eines blutarmen Jargons verwendet werden. Adorno bezeichnet sie als Edelsubstantive. Sie wären hohl und erhöben einen Wahrheitsanspruch, der sich nicht einlösen liesse.
Das tun sie in der Tat nicht immer. Und schon gar nicht bei Kandidaten für politische Ämter, als Leuten, bei denen die Hoffnung realer ist als der Erfolg. Da tragen auch ihre Edelsubstantive und Reizwörter wie Bürgertum, Solidarität, Konsensfähigkeit und Brandmauer nicht weiter. Sie sind etwa so inhaltslos, wie ein verlassenes Wespennest, in das die Ämterbewerber gestochert zu haben glaubten.
Oder sieht man etwa hohle Slogans wie Neue Ideen, statt alte Politik. Frisch. Dynamisch. Lokal als Geniestreiche? Sind das jetzt die emphatischen Gesten Adornos, welche sich abmühen, den Mangel an inhaltlicher Substanz zu kaschieren?
Da prasseln dann Worthülsen nieder wie weiland der Hagel vor ein paar Wochen. Beispiele: Mehr Sicherheit im öffentlichen Raum, echter Sanierungskurs der aus dem Lot geratenen Finanzen … und bitte ohne Steuererhöhung. Ja schön, aber warum, wie, wann und wo genau.
Und dann noch das: Abläufe und Effizienz steigern. Ich bitte Sie, das ist nun so neu und originell wie der Satz: «Wenn es regnet, wird der Rasen nass.» Aber gut. Wenn man «das Städtli im Herzen hat», dann kann man platterdings jede Plattitüde verbreiten, welche die Armut solcher Signalsätze des anämischen Jargons zudeckt.

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