Kritik
Brauche ich wirklich … ?

... ein Warmies Wärme-Kuscheltier Capybara für entspannte Momente und wohlige Wärme?
Oder eine EXO Boost Gesichtsmaske von Weleda? Dazu eine Yankee Candle Duftkerze Amber & Sandalwood im Glas mit handgezeichnetem Duftbild, das mich an sonnengewärmten Sand und Düfte von Treibholz, Kardamom und Bernstein erinnert? Dann schon eher zwei Tagespässe für den Besuch des Verkehrshauses Luzern, und weit weniger eine Govee Stehleuchte für mein Smart Home.
Smart? Mein Home ist nicht smart. Was soll das denn sein? Colin Firth oder Roger Moore sind smart. Aber doch nicht unsere Wohnung. Sie ist vielleicht cosy, comfortable, ja auch homely, vor allem aber practical und appropriate. Ja, ich weiss: Deutsch schreiben. Wollte nur dem engl. «smart» was Adäquates beigesellen. Jetzt seien Sie doch bitte etwas weltoffener.
Denn spätestens jetzt stellt man sich nach diesen kurzen auslagenstarken Werbe-einlagen, wieder einmal die Grundsatzfrage, was man denn im Leben wirklich brauche.
Klar doch: «Gesundheit, denn ohne sie ist alles nichts». Das wusste schon Schopenhauer. Und Intelligenz kann auch nicht schaden. Aber bitte nicht damit hausieren. Still geniessen und sich freuen, wenn andere es auch können. Jean Cocteau empfiehlt da. «Halte dich immer für dümmer als die anderen - sei es aber nicht!»
Und sonst? Gelassenheit, wenn einer auf der Kreuzung von links dir den Weg abschneidet und du ihn am liebsten kreuzweise unsachlich behandeln möchtest. Das gilt auch dann, wenn politisch von links und von rechts jemand die Welträtsel zu lösen trachtet und dabei noch mehr Probleme schafft; dies dann frei nach Karl Kraus: «Die Linke und die Rechte sind die Krankheiten, für deren Therapie sie sich halten.» Da hilft doch nur noch Ironie und Satire.
«Ja gut, und wie wär’s mit Liebe? Die brauchen wir doch alle.»
«Ja sicher. Mit ihr ist es aber wie mit dem Alkohol. Zuerst ist sie ein Rausch, endet aber nicht selten in einem Tausch. Ja und dann? Da capo al fine.»
«Mann, bist du aber pessimistisch heute.»
«Nicht doch, nur realistisch aus eigener Erfahrung. Und da braucht’s halt dann manchmal viel Selbstironie. Denn meistens sind wir, wenn nicht schuldig, so doch nicht selten selbst die Ursache für unsere amourösen Missgeschicke; und es hülfe sehr, wenn wir über uns noch lachen könnten.»
«Von mir aus, tönt aber schon etwas masochistisch.»
«Ach, woher denn? So wichtig sollten wir uns gar nicht erst nehmen. Und wenn dir das nicht genügt, dann kauf' dir halt doch eines von diesen Warmies Wärme-Kuscheltieren Capybara.»
Übrigens ...

Wenn ich mal wider Erwarten den Drang verspüre, mir mal etwas wirklich Trostloses anzusehen, dann stelle ich mich vor einen McDonald's® und schaue durch die Fensterscheibe in diese Mampfbude hinein. Resultat: Ich bleibe draussen. Was mich vom Besuch abhält? Bitte selber nachsehen.
Oder ich betrachte in der AZ das jüngste Bild von Michel Houellebecq, der dreinschaut, als müsste er jeden Tag aufs Sozialamt, Porridge oder, noch schlimmer, Kutteln essen. Wobei, die sind, wenn gut gemacht, mit Kümmel und Tomatensauce, nicht zu verachten.
Aber bitte, man muss das gerne haben. Trostlos sind auch diese Gipfeltreffen von Potentaten. Oder möchten Sie mit TruXiPut und Dicky-Kim in einem Burger King oder McDonald's® einen Hamburger hinunterwürgen und mit diesem grässlichen Tsingtao-Bier nachspülen müssen?

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