Kritik
Oberpsychologen

Ist doch wunderbar. Man lernt immer noch dazu: Oder haben Sie gewusst, dass es Oberpsychologen gibt?
Und damit sind keine Seelen-Heilpraktiker gemeint, die sich über das Mittelmass der Erkenntnisse über unsere Psyche erhoben haben. Und im Gegensatz zu ihnen gibt es auch keine Unterpsychologen, geschweige den Überpsychologen, wie etwa den Übermenschen des Seelenkenners Nietzsche, der ganz sicher keinen Psychologen brauchte, sondern allenfalls weit eher einen Venerologen.
Nein, nein, das sind Psychologen in höheren Leitungsfunktionen, die andere Psychologen fachlich und organisatorisch coleitend in ambulanten Teams betreuen, denn auch der Mensch in Kliniken will geführt sein.
Und damit das auch ordentlich für «eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung» geschieht, erwartet man von den Kandidaten beider Geschlechter ein abgeschlossenes Studium der Psychologie (Master oder Doktorat). Aber sicher doch. Nichts dagegen. Muss schon sein.
Überdies eine anerkannte Weiterbildung in Psychotherapie und auch hier mehrjährige Berufserfahrung, sowie idealerweise Führungserfahrung oder entsprechende Führungsausbildung. Davon darf man doch wohl noch ausgehen dürfen.
Aber damit nicht genug. Die müssen dann auch noch «teamfähig, kooperativ, sozialkompetent, analytisch, innovativ, lösungsorientiert, gestaltungsfreudig, belastbar, flexibel, verantwortungsbewusst und mit einem robusten Durchsetzungsvermögen ausgerüstet sein.» Fehlt nur noch, dass sie auch gut aussehen müssen und wenn möglich jung, dynamisch und appart sind. Und niemals ein Burnout haben.
Schön und gut. Wo aber findet man solche Wunderknaben und Mirakelmaiden, die nach einem mehrjährigen Studium und einer aufreibenden Assistenzzeit noch die Kraft und die Lust aufbringen, ein Team zu leiten, das täglich seine eigenen Grenzen der Erschöpfung auslotet und frei nach Schopenhauer, «mit Menschen zu tun hat, die Prometheus nicht aus besserem Ton geformt hat»?
Um da jetzt nicht missverstanden zu werden. Das hier ist keine Philippika gegen die Seelenkunde. Die Menschheit braucht Psychologen und Psychiater. Partiell verrückt genug ist sie ja.
Übrigens ...

Wenn ich mal wider Erwarten den Drang verspüre, mir mal etwas wirklich Trostloses anzusehen, dann stelle ich mich vor einen McDonald's® und schaue durch die Fensterscheibe in diese Mampfbude hinein. Resultat: Ich bleibe draussen. Was mich vom Besuch anhält? Bitte selber nachsehen.
Oder ich betrachte in der AZ das jüngste Bild von Michel Houellebecq, der dreinschaut, als müsste er jeden Tag aufs Sozialamt, Porridge oder, noch schlimmer, Kutteln essen. Wobei, sie sind, wenn sie gut gemacht sind, mit Kümmel und Tomatensauce, nicht zu verachten.
Aber bitte, man muss das gerne haben. Trostlos sind übrigens auch diese Gipfeltreffen von Potentaten. Oder möchten Sie mit TruXiPut und Kim Yong-un in einem Burger King oder McDonald's® einen Hamburger hinunterwürgen müssen?

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