Satiren
Wäffligers und die 1. Augustfeier

Alphons und Paula haben am Mittag frugal gegessen und räumen jetzt den Tisch ab. Kleiner Dialog beim Abwasch.
Alphons: Wie ist das jetzt? Geh'n wir heute Abend?
Paula: Wohin?
Er: An die 1. August-Feier.
Sie: Willst du das?
Er: Nicht unbedingt.
Sie: Ja dann bleiben wir zu Hause?
Er: Andererseits ...
Sie: ... andererseits was?
Er: Na ja, als guter Patriot.
Sie: Und gute Patriotin, bitte. Das kannst du aber auch ohne Augustfeier sein.
Er: Ja schon ... das bin ich ja auch.
Sie: Na ja, aber auch nicht immer.
Er: Warum?
Sie: Das fragst du noch. Denk' jetzt nur mal an deine Kritik an der Nationalhymne.
Er: Da bin ich aber nicht der Einzige. Allein schon das «Betet, freie Schweizer, betet!»
Sie: Ich weiss. Ist nicht dein Bier. Aber manchen hilft's.
Er: Das Beten? Sicher, ich singe da halt immer «Trinket, freie Schweizer, trinket!»
Sie: Ja klar. Wasser statt Wein.
Er: Ist doch gut für die Gesundheit der Nation.
Sie: Umgekehrt aber auch ... mässig genossen.
Er: Das geht auch zu Hause. Ich habe da an einen 92er «La fleur de Gay» gedacht.
Sie: Fein. Wer hält eigentlich heute Abend die Rede?
Er: Der Herr Grossrat Leuchtenberger-Mozzi.
Sie: Was, der ... das Loch im Donut ... Erbarmen. Betet, freie Schweizer, betet!
Er: Oh ja, und gell, dann ist es jetzt entschieden, wir bleiben zu Hause.
Sie: Auf alle Fälle.
Er: Wenn der redet, kriegt Helvetia eine Migräne und Nationalrat Campari eine Kreislaufkrise.
Sie: So schlimm?
Er: Ja, so schlimm. Und Tell soll sich das mit dem Gessler noch einmal überlegt haben.
Sie: Dann ist es entschieden. Wir feiern unsere Nation heute mal still zu Hause.
Er: Genau, und das mit einem WKS.
Sie: Mit was? Einem Wiederholungskurs? Alphons hast du am Morgen was getrunken?
Er: Sicher nicht. Ein WKS ist ein Wurst-Käse-Salat.
Sie: Du mit deinen Abkürzungen. Ich hab' da auch noch eine.
Er: Ah ja, welche denn?
Sie: VLS.
Er: VBS? Nicht doch.
Sie: Nein VLS. Vive la Suisse!
Er: D'accord.

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