Satiren
Die Wäffligers und die Bücherschänder

Ein noch kühler Sommermorgen. Paula und Alphons auf der Terrasse, bei der aufgeteilten Lektüre im kantonalen Intelligenzblättchen. Plötzlich schiesst Alphons hoch.
Alphons: Ich schmeiss mich weg. Das darf jetzt aber nicht wahr sein. Hast du das gelesen?
Paula: ?... !... Ach so ... das mit den Vandalen im Kloster.
Er: Jaa ... genau die ... und ... das lässt dich kalt?
Sie: Nein, aber es erstaunt mich nicht. Passt doch zum gegenwärtig widerwärtigen Lagebild, dieses Barbarenpack.
Er: Ja, und was ist, wenn das Kantonsschüler waren … unsere künftige Elite.
Sie: Das ist noch nicht klar. Aber wenn doch, dann wird man auf diese Elite verzichten müssen.
Er: Ja sicher, wie auf Fussball-Hooligans oder Schwarze Blocks.
Sie: Ob die wohl auch Bücher von den Regalen und auf Kreuzgangdächer schmeissen?
Er: Oder warum die ein Fresko mit «FCK KSWE FCZ» übersprayen.
Sie: Orthografisch sehr originell. Und Sprayen als Nachweis geistiger Reife.
Er: Von Kunst gar nicht zu reden. Das sind doch alles fantasielose Imitanten …
Sie: … die Güterwagen vollschmieren. Wenn das Kunst sein soll, dann bin ich ab sofort Angelika Kauffmann.
Er: Ja und auch so hübsch.
Sie: Vorsicht Bube, Heuchler sterben früh. Nicht eben hübsch sollen ja die Krawalle an der «Uselütete» gewesen sein.
Er: Allerdings. Da haben Vermummte und schwarz Gekleidete der Kanti Baden das Wettinger Kanti-Schulareal gestürmt.
Sie: Hier steht, die hätten Leute mit Mehl, Eiern und Essig attackiert.
Er: Da gab’s auch eine Ohrfeige, Feuerwerkskörper und Böller.
Sie: Einer ist am Kopf einer Schülerin explodiert.
Er: Und jetzt diese geschändeten Bücher. Entschuldige, aber das erinnert an die Nazis, die Bücher ins Feuer geworfen haben. Heine lässt grüssen.
Sie: Jetzt nicht übertreiben, Alphons.
Er: Ich übertreibe nie. Ich deute nur an und denke an die verbrannten Bücher im Brugg der 60er-Jahre.
Sie: Das besprechen wir ein anderes Mal. Aber sag’, was macht man mit solchen Leuten?
Er: Das sind keine Leute. Das sind schlicht Scheisskerle und Miststücke.
Sie: Jetzt nur nicht emotional reagieren. Darauf warten die doch bloss.
Er: Du meinst auf die Fora der Medien.
Sie: Fora?
Er: Akkusativ Plural von forum.
Sie: Kannst es nicht lassen. Gut, also die Foren der Medien und die Empörungssonatinen der Politik.
Er: Du meinst, man soll das sein lassen, nur kalt analysieren und dann abtischen?
Sie: So ähnlich.
Er: Dann war’s das jetzt?
Sie: Nicht ganz. Wenn es Schüler gewesen sind, dann bitte relegieren.
Er: Ja gut, aber wohin mit denen?
Sie: Was weiss ich. In einen Bibliothekskeller: Bücher katalogisieren.
Er: Du denkst, die können das?
«Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen»
Eishockey-Finale: Passender Titel, entnommen der Bach-Kantate BWV 12 aus dem Jahr 1714. Und Heute? Zustand der Nation nach der Silbermedaille in der WM? Liebe Leute, worum geht es hier? Nur um eine Sportart und nicht um das Renommee der Nation, die nach wie vor zu den besten zählt. Na gut. Finnland tut das auch.

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Kommentare (1)
«Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen», Kommentar zur Silbermedaille
Natürlich trage ich als temporärer Erfolgswellenreiter unserer Eisheiligen jetzt auch dunkelroten Trauerflor. Weshalb ich mir jedoch ein Schmunzeln über die paradoxe Rangierungspraxis auch im Eishockey trotzdem nicht verkneifen kann.
Da hat die Schweiz also den Final verloren, ist aber trotzdem im Ranking des internationalen Eishockeyverbandes erstmals auf Platz 1, also vor dem aktuellen Olympiasieger und Weltmeister Finnland, dem entthronten Vorjahresweltmeister USA und dem Rekordweltmeister Kanada. Da soll einer noch den Check pucken.
Am besten einfach den Ball flach halten – die Sportwelt fiebert ja schon dem nächsten Debakel, ääh ... Spektakel entgegen.