Kritik
SBB

Das wird keine Glosse über unsere Bundesbahnen. SBB steht hier für Servelat, Brot und Bier.
Man schreibt Cervelat, schon klar. Laut Wickitricki leitet sich die Bundeswurst von italienisch «cervellata» ab. Und die wiederrum von lateinisch cerebellum. Das ist die Verkleinerungsform von cerebrum, zu Deutsch Gehirn.
Unser Servelat, eine Gehirnwurst? Allein sie so zu nennen, entspräche einer skandalösen Absicht. Denn sie gemahnte uns an BSE, an die Bovine Spongiforme Enzephalopathie, auch Rinderwahn genannt. Gut zu wissen, dass heute Hirn, Rückenmark und Milz nicht mehr verarbeitet werden dürfen.
Aber davon jetzt nichts mehr. Ich möchte SBB weit mehr als Symbol für das Frugale und Einfache präsentieren; so etwas wie Servelat, Brot und Bier. Damit könnte man auch einen Typus Mensch assoziieren, der kulinarische Raffinessen zwar nett findet, bisweilen moderat geniesst, aber trotzdem hin und zuwider als spitzmäulig überzüchtete Kost definieren möchte.
Und da sind wir jetzt beim eigentlichen Thema, bei den Impressionen, die der hochgeschwurbelte Kunst- und Literaturbetrieb hinterlässt.
Ein Beispiel
Wenn man Sätze aus bluminösen Feuilletons wie diese lesen darf: «Die Werke offenbaren eine Oberflächenbeschaffenheit, deren Mehrschichtigkeit im wahrsten Sinne vielschichtige Strukturen offenbart.» Oder: «Sein Umgang mit Oberflächen entwickelt bei längerer Betrachtung eine haptische Qualität, beinahe eine Art Stofflichkeit.» Und auch den gleich noch: «Verknüpft wird die formale Ästhetik mit der Loslösung von der subjektiven Wahrnehmung, hin zu einer Darstellung objektiver Beziehungs-verhältnisse.»
Hää? Wie? Was sagt mir das jetzt? Eigentlich über das Werk nichts, aber viel über den Betrachter, diesen Sätze-Fabrikanten, der einem Wörterkosmos enigmatischer Vernissagen-Rabulistik frönt, und dies auf der Basis eines Kuratoren-Esperantos tut.
Wäre da nicht ein Gegenpart aus der Servelat-Brot-Bier-Optik fällig? (Französisch übrigens CFF, das Akronym für Cervelat-Flûte et Fendant-Perspective. Flûte oder ficelle stünde für zwei Sorten Pariserbrot.)
Also statt für Vernissagen-Sprech mit angelesener Silbenstecherei plädierte ich gerne für eine einfachere SBB-Optik, die in vielen Fällen, hier nur mal als Beispiel, in vier kunstkritische Fragen mündet.
Was sehe ich? Eine Holzbeige mit Sternen.
Was fühle ich? Nichts, höchstens Bedauern mit den hochstapelnden Angestellten.
Was erkenne ich? Nichts Anderes als eine Holzbeige in unwirklicher Umgebung.
Wo stehe ich? Ganz wo anders. Ev. im Wald oder im Schilf.
Bin ich jetzt verstanden worden? Nein? Gut, dann lade ich Sie halt zu einem Waldfest ein.
Lass es bleiben.

Donald Trump erfolgreich zu kritisieren, käme dem Versuch gleich, mit dem Zeigefinger ins Wasser zu schreiben. Oder nahe der Brandung am Meeressandstrand, seinen Namen verewigen zu wollen.
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