Satiren
Die Wäffligers und das kalte Wetter

Alphons kommt von der Terrasse in die Wohnstube, wo Paula gemütlich auf dem Sofa einen alten S/W-Film aus Frankreich auf ihrem Laptop anschaut und sich nur ungern stören lassen möchte.
Alphons: Brrr. Ist das kalt draussen!
Paula: Was?
Er: Es ist saukalt draussen.
Sie: Alt? Wer ist alt? Moment, ich nehme die Hörstöpsel aus den Ohren. Bitte was?
Er: Es ist ganz schön kalt draussen.
Sie: Was für ein Gföörli. Warum bist du dann rausgegangen?
Er: Wollte nur nach den Rhabarbern sehen.
Sie: Die wachsen auch ohne dich.
Er: Bei der Kälte?
Sie: Ja sicher. Die sind zäh im Nehmen.
Er: Das bin ich auch.
Sie: So. Aber im Austeilen bis du flexibler.
Er: Macht mehr Spass, im Gegensatz zur Kälte draussen.
Sie: Das sind nun mal die Eisheiligen.
Er: Machen die das Wetter?
Sie: Nein, das kommt von den katholischen Traditionen.
Er: Ach so das. Mamertus & Co?
Sie: Genau, ich hab’s gestern wieder mal nachgelesen. Mamertus war Erzbischof von Vienne, Frankreich, nicht von Wien, Namenstag am 11. Mai. Der soll durch Gebet einer Feuersbrunst Einhalt geboten haben.
Er: Wunderbar. Versuch ich auch mal und bete, dass gewisse Politiker spurlos verschwinden.
Sie: Da kannst du lange beten. Du wirst nicht erhört werden.
Er: Leider.
Sie: Die anderen Eisheiligen sind übrigens am 12. Mai Pankratius, am 13. Servatius, Bischof von Tongeren in Belgien, am 14. Bonifatius und am 15. Mai Sophia, auch die «Kalte Sophie» genannt.
Er: Die kalte Sophie? Klingt ziemlich frigide.
Sie: Unsinn. Sie war eine Heilige. Die hatte doch mit Frivolitäten nichts am Hut.
Er: Am Hut ist gut.
Sie: Ja, sie war halt auch eine Märtyrerin, und wie damals im 4. und 5. Jh. mit anderen zusammen. Die sind nun mal sehr tauglich für Legenden.
Er: Ja klar, wie das Meiste dieser Organisation.
Sie: Die «Kalte Sophie» wurde übrigens im Kalender nachträglich angehängt, weil die von Norden herkommende Kaltluft in Süddeutschland manchmal einen Tag später eintraf. Und was deine Rhabarbern angeht, die habe ich trotzdem heute angepflanzt.
Er: Danke.
Sie: Nichts zu danken. Nach dem 15. Mai ist in der Regel nicht mehr mit Bodenfrost zu rechnen.
Er: Kann sein. Aber meteorologisch stimmt das mit den Eisheiligen nicht immer.
Sie: Ist wie mit der Bibel ... philosophisch kritik gesehen.

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