Kritik
Muttertag - guter Tag?

Nun ja, man kann sich beherrschen und seine Mutter auch während der restlichen 364 Tagen mögen. Wenn's geht, sogar die Schwiegermutter.
Eigentlich ist der Muttertag ein Produkt der Gärtner- und Konditormeister und hat mit dem mammaphilen Grundgedanken der amerikanischen Methodistin Anna Marie Jarvis wenig zu schaffen.
Die hatte nämlich in Grafton (West Virginia, USA) am 12. Mai 1907, dem Sonntag nach dem zweiten Todestag ihrer Mutter, ein Memorial Mothers Day Meeting geboren. Am 8. Mai 1914 mutierte dieser dann durch den US-Kongress zu einem offiziellen Feiertag.
Und dann geschah das, was heute noch davon übriggeblieben ist. Er wurde kommerzialisiert; und zwar derart, dass die Begründerin des Feiertages sich von der Bewegung distanzierte und auch bereute, jenen je ins Leben gerufen zu haben. Sie kämpfte in der Folge für die Abschaffung des bluminösen Mammitages, wozu man ihr auch heute noch gerne gratulieren möchte.
Denn auch in der Schweiz geschah Ähnliches. Eingeführt von den Unions Chrétien-nes de Jeunes Gens de la Suisse romande und der Heilsarmee konnte der primär religiös fundierte Muttertag zu seinem Glück sich nicht richtig durchsetzen.
Erst als die schweizerischen Verbände der Floristen, – angeregt durch ihre teilweise nazistischen deutschen Kollegen – der Gärtner- und Konditormeister sich für den Muttertag via Presse, Flugblätter, in ihren Schaufenstern und im Radio zu engagieren begannen, kam es auch bei uns ab 1930 zu einer Art inoffiziellem und halbgarem Feiertag, den heute längst nicht alle Kinder der Mütter mit Herzblut feiern, geschweige denn jene der Schwiegermütter.
Im Übrigen kann man vieles, was sich «Tag der irgendwas und von irgendwem» nennt, in der Regel mit Nonchalance ignorieren, z.B.: Tag des Deutschen Schlagers, Tag der Blockflöte, Dicker-Pulli-Tag, Tag der Freunde der Kreiszahl Pi, der Sprich-wie-ein-Pirat-Tag, oder als Krönung dann der Welttoilettentag. Die habe ich jetzt nicht erfunden. Die gibt es wirklich.
Lass es bleiben.

Donald Trump erfolgreich zu kritisieren, käme dem Versuch gleich, mit dem Zeigefinger ins Wasser zu schreiben. Oder nahe der Brandung am Meeressandstrand, seinen Namen verewigen zu wollen.
Stilblüten des Tages
AZ, 11. April 2026, Stefan Wyss
Original: Kann der FC Aarau Final?
Kommentar: Kann der Journi Schreib?
AZ, 7. Mai 2026
«Wer hinter einem anderen Fahrzeug hinterherfährt, muss grundsätzlich bremsen können - sofern das vorher fahrende Auto pflichtgemäss haltet.»
Kommentar: Wer sich sprachlich neben Regeln aufhaltet, hält offenbar nicht viel von deutscher Verb-Konjugation.

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Kommentare (1)
Was verbindet Trump mit Schwiegermüttern? Er schickt Schwiegersöhne in den Iran; sie wünscht die Söhne- und Töchterdiebe ins Pfefferland.