Satiren

Die Wäffligers und die Slam-Poetry

17:30 Uhr: Alphons legt die Zeitung beiseite und ruft nach seiner Frau. Ob sie wohl schon weiss, dass am Jahresfest der Stadt die U20-Schweizermeisterin von 2024 im Poetry Slam die Festrede halten soll.

Alphons: Wo bist du?
Paula: In der Küche. Wo denn sonst um die Zeit, wenn der Herr Hunger hat.
Er: Den hab ich. Was gibt's denn?
Sie: Servelat-Käse-Salat.
Er: Prima, rustikal. A propos, schon gehört? Die Jugendfestrede hält dieses Jahr eine junge Slam-Poetin.
Sie: Ich weiss. Hab's gestern im *** vernommen. Wurde auch Zeit.
Er: Aber doch bitte nicht für Versverhacker und alte Knacker.
Sie: Sicher nicht. Jetzt tut ein junges Blut dem Städtchen gut.
Er: Aber bitte ohne Rapp und Punk. Das gibt nur Stunk.
Sie: Mein lieber Schorch, ist doch alles morsch.
Er: Sag mal, was soll das? Klempern wir jetzt auch Verse?
Sie: Solange du nicht zu rappen beginnst, warum nicht?
Er: Du meinst das Gehampel auf der Bühne verlangt nach strenger Sühne.
Sie: Alphons bitte, lass das jetzt. Geben wir den wahren Talenten eine Chance. 
Er: Also den fixen Subitodichtern aus den Fast-Food-Imbissbuden der Slam-Poetry?
Sie: Ja warum denn nicht? Immer noch besser als diese ironiefreie und humorlose Trauerweiden- und Sterbebettliteratur der Gegenwart.
Er: Ja, gut. Übrigens Böckelmeier nennt die Slammer poetische Eintagsflieger.
Sie: Böckelmeier? Was versteht dieser Fastfoodfhaufen schon von Poesie?
Er: Nichts. Und der Satz ist garantiert nicht von ihm.
Sie: Sicher nicht. Wahrscheinlich von diesem Oberschnorrer Müller-Righatoni.
Er: Richtig, der hält auch nie still: Slam-Poetry sei bloss Wettgeschwätz mit Zeitlimit.
Sie: Er nennt es Ratschen als olympische Disziplin.
Er: Ja, so ähnlich. Und sowas komme ihm nicht in die gute Stube.
Sie: Dafür aber die Hinterchrachler Schmalzbuebn?
Er: Oder Roland Kaiser?
Sie: Stell dir den mal als Festredner vor.
Er: Wen? Müller-Righatoni? Lieber nicht. Dann schon weit lieber diese junge Slam-Poetin.
Sie: Kennst du sie?
Er: Nein. Nur ihre Mutter. Hab auch noch nie was gehört von der Tochter.
Sie: Pointiert und knackig müsste das aber dann schon sein.
Er: Sicher. Wie auch immer, seien wir verwegen und haben nichts dagegen.
Sie: Komm, lass das jetzt. Ich hab' da heute morgen eher zufällig mir noch ein Slam-Beispiel notiert.
Er: Aha. Eher zufällig?
Sie: Ja, zufällig, aber bewusst. Warte, der geht so: «Mist, Pin drei Mal falsch eingegeben. Naja, wenigstens habe ich Ruhe. Aber eingesperrt im Keller. Wenigstens im Weinkeller.»
Er: Ach herrjeh. Von wem ist das?
Sie: Spielt keine Rolle. Jedenfalls ist das schon sehr fad. Niveau tatsächlich im Keller.
Er: Dann hoffen wir am grossen Fest mal auf Besseres.


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