Kritik

Leserbriefe: Ein paar Klassiker

Mit der Regelmässigkeit eines gut geölten Uhrwerks veröffentlichen häufig dieselben Leserbriefschreiber oder ihr weibliches Pendant ihren Unmut und ihre Gelehrsamkeit im Rahmen von mehr oder weniger gebildetem Sachverstand.

Manchmal auch solche von glühend qualvoller Mittelmässigkeit. Das sei ihnen unbenommen, auch wenn die Lektüre manchmal dornenreiche Leseleidenswege eröffnet, die kaum jemand gerne beschreiten will.

Auch wird kein kontemporäres Thema von ausgelassen bis tiefgeschürft durch sie bearbeitet. Das reicht von Impfpflicht über Frauenquoten in den Räten bis zu CO2-Ursachen, von Atomkraftwerken, Elektroautos bis zu den fehlenden Zapfsäulen; aber auch Exoten im Pflanzenreich, die katholische Kirche und Asylanten geben immer wieder Stoff her für verbale Eskapaden.

Was kann man dagegen haben? Eigentlich nichts. Die Dialektik der Leserbriefe ist ein Bestandteil einer gesunden Demokratie. Niveau hin oder her. Und doch, also manchmal lernt man wieder das Grauen und das Staunen. Solche Beiträge sind dann nur noch diätetisch bekömmlich.


Ein paar Beispiele gefällig?

«Mein Ziel ist nicht die Wiedereinführung des Matriarchats». Was heisst denn hier Wiedereinführung von etwas, das es in unseren Gauen noch nie gab? Die Dame verwechselt das mit dem Griechenland der Antike, wahrscheinlich aus der Komödie Lysistrata von Aristophanes. Sie erinnern sich: «Make love, not war!» auf altgriechisch: Κάνε έρωτα - όχι πόλεμο. 

Oder dies: «Die freisinnig-liberale Ideologie ist der am schwierigsten vermittelbare und kommunizierbare Politinhalt.» Freisinnig-liberale Ideologie? In der Tat schwierig zu kommunizieren, weil widersprüchlich. Bis jetzt durfte man doch annehmen, dass der Freisinn sich den Gestalten von Ideologien fernhält. Liberal sein, heisst doch auch, für Ideen gleich welcher Couleur offen zu sein, sie aber nicht als Ideologien zu verinnerlichen oder gar zu dogmatisieren.

Und als Drittes noch dies: «Die FDP weiss nicht so recht, auf welche Seite sie kippen will, während die CVP sich irgendwo in der Mitte verirrt hat.» Also kippen will und wird die FDP wohl kaum, höchstens etwas schwanken. Da hat es die Mitte besser, denn dort kann man sich immerhin nicht nach Rechts oder Links verirren.


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