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Tucholsky schreibt:
«Der Mensch hat neben dem Trieb der Fortpflanzung und dem, zu essen und zu trinken, zwei Leidenschaften: Krach zu machen und nicht zuzuhören.» Stimmt das wirklich?

Na ja, das kommt schon vor. Und gilt gar nicht selten für die Species homo politicus. Dies wäre zu erforschen in televisionärrischen Arenen, Clubs und anderen Fabulier- und fantasivollen Disputationsrunden.

Da erhält der Begriff Krach neben der akustischen auch eine kombatante Dimension als Polemik der Holzfäller und als Plänkeln mit Holzschwertern. Und wenn dann Viele laut werden, dann klackert's, und der Einzelne hört dann kaum noch was.

Hinzu kommt das, was Shakespeare gar zu einem Theaterstück inspiriert hat, nämlich «Viel Lärm(en) um nichts» (Much Ado About Nothing). Also Themen wie Fussballfans: Mächtig oder machtlos? Hot oder Schrott - Die Allestester. Wedding Planner - Verliebt, verlobt, verplant.

Und so weiter. Uns erwarten dort existentielle Themen mit dem Gewicht einer Vogelfeder, der Prägnanz eines lauen Lüftchens und der berauschenden Intelligenz einer Stammtischrunde.

Zudem sind auch allgemeine nebulöse, im Allgemeinen herumtastende Rezepturen wie diese hier nicht hilfreich: «Diese laute Menschen kennen nur die Extraversion, nicht aber die Introversion.» Ja, dann sagen Sie mal einem dieser Lautsprecher, er sei nun doch etwas sehr extravertiert. Ob er sich nicht etwas verstärkt nach Innen wenden möchte?

Das werden die aber nicht wollen. Denn insgeheim wissen sie, dass sie da nichts finden werden, was der Rede wert wäre. So bramabasieren sie dann halt munter weiter und verteidigen in Super-Rundfunk-Feldstärke, an Tagungen und in den Journalen mit Ach und Krach ihre betonierten Allgemeinplätze. Und das ist dann genau das, was wir nicht hören wollen.


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