Home

Wie haben Sie's mit der Neutralität?
Mit lesenswertem Nachtrag von Christoph Bopp.

Seit dem Wiener Kongress ist sie gesichert. Die Frage nach gelebter Neutralität wird allerdings im Moment erneut gestellt. Sie ist sowohl politisch, geostrategisch als auch nachrichtendienstlich offenbar wieder relevant. Zudem Medienrohstoff par excellence. Aber auch die Neutralität im Alltag, welche uns mit zwingend bedeutsamen Fragen konfrontiert.

Beispiele belegen es. Lieben Sie Katzen oder Hunde? Weiss nicht. Da bin ich neutral. Deutschland oder Frankreich? Kein Kommentar. Schweinsbraten oder Bœuf Bourguignon? Schmeckt beides. Bin neutral. Monteverdi oder Verdi? Muss ich mich entscheiden? Beide sind wunderbar. Und Kreisel oder Kreuzung? Kommt drauf an. Bin auch da aber grundsätzlich neutral. Nur dann nicht, wenn mir einer noch vor der Nase vorbeihuscht.

Und so weiter: USA oder Europa? Brexit oder EU? Zentralstaat oder Föderation? Fusion oder nicht Fusion? Abfallentsorgung am Donnerstag oder Freitag? Crème- oder Studentenschnitte? Dauernd wird man genötigt, sich entscheiden zu müssen. Die Flucht in die Neutralität überzeugt da wenig. Hat was von Augenwischerei.

Ja auch spirituell. Ewiges Leben oder totales Verlöschen? Jesus oder Muhammed? Gott oder kein Gott? Himmel oder Hölle? Schulmedizin oder Quacksalberei? Billy Graham oder Uriella? Keine Ahnung. Lassen Sie mich in Ruhe mit Dialektik. Ich bin wie gesagt neutral.

Also Neutralität um jeden Preis? Mal testen: Trump oder Putin? Nun ja, da beide eher nicht. Gilt wohl auch für Recep Tayyip und Baschar Hafiz? Wen bitte? Die kennen Sie nicht? Schön für Sie. Da stellt sich wenigstens die Frage nach der Neutralität nicht.

Und wie ist das mit der Schweiz? Ist sie neutral, immerwährend und jederzeit? Historisch gesehen war sie es nie. Konnte es gar nie sein. Wer seine Nadeln noch an der Tanne hatte, konnte weder mit Grossdeutschland noch mit der UdSSR glücklich werden. Und mit der EU ist sie es bis heute nicht so richtig. Dafür gibt’s gute Gründe. Ja, welche denn? Sag ich nicht. Ich bin neutral.


Nachtrag

Umfassender hat sich AZ-Autor Christoph Bopp zu diesem Thema geäussert. Klicken Sie hier.


Kommentare (0)

In eigener Sache

img

Sie haben es sicher wahr-genommen. Die für alle offene Kommentarspalte ist jetzt ab sofort gestrichen. Repliken bitte auf info@valentin-trentin.ch .

«Statt der Schwüle nun die Kühle?»

30. Juni 2026

Scheint eine Illusion zu sein. Das wäre dann der Kurzkommentar zu den gegenwärtigen Tagen. Mehr gibt's dazu auch heute nicht zu sagen. Ich bin doch kein Feuilletonist.
Weiterlesen

Trump desavouiert Gefallene

26. Juni 2026

Das Bild sagt mehr als Dutzende von Worten. Man wundert sich in keiner Weise. Der Kerl disqualifiziert sich mittlerweilen täglich. Auch hier tut er es wieder, indem er sich als pietätlosen Krampfkasper und Kravattenmuffel outet.
Weiterlesen

Olympia 2038 in der Schweiz?
Mitten im kalten Winter: Lieber nicht.

25. Juni 2026

Mein Name ist Izydor Wrysowsky. Meine Familie stammt aus Polen. Sie lebt seit 1946 in der Schweiz, wo ich in Basel 1947 zur Welt kam. Ich spreche akzentfrei Schweizerdeutsch, und nur mein Name erinnert noch an den Migrations-Hintergrund.
Weiterlesen