Home

Die drei ganz grossen G:
Gesellschaft, Gerechtigkeit und die
Gretchenfrage nach der Leitkultur

In der NZZ wahrgenommen: Drei Headlines, die nur scheinbar nicht korrespondieren. Zumindest ihre Titel haben das angedeutet.

Nr. 1
So etwa die Hypothese: «Ohne Leitkultur kann keine Gesellschaft überleben.» Ja gut. Aber welche? Für den Gläubigen unserer Breiten bestimmen neben anderen die 10 Gebote die Leitkultur, sollten sie jedenfalls. Na ja, also Nr. 6 und 9 sind offenbar nicht mehr sehr verbindlich. Wieder andere beten Silber, Erz und Eisen an und orientieren sich an der Metaphysik von Börsen und Märkten.

Und die Leitkultur der Ungläubigen? Die 10 Gebote ohne die Nr. 1 sind immerhin zu empfehlen. Natürlich ohne göttliches und gerechtes Strafgericht. Sie wissen schon Dantes Inferno, etc. etc.! Aber was dann? Sagen wir mal Ethische Vernunft, wenn immer möglich gelebte Rationalität und Sensibilität im Gleichgewicht. Und dann sicher auch das uns begrenzende «Erkenne dich selbst.» Und natürlich die Institutionen unserer Justiz. Und Gott sei's geklagt: Ein stärkere Exekutive, ja auch Polizei.

Nr. 2
Zur Gerechtigkeit sagt übrigens der Philosoph Slavoj Žižek: «Gott ist weder gerecht noch ungerecht: Er ist ohnmächtig. Nicht Gott, der Teufel versucht den Menschen, sagt der Papst. Was stimmt jetzt? Ich denke, wir führen uns selbst in Versuchung, getrieben von der Gier nach sichtbarem Reichtum und verlockenden Machtzockereien. Zum Beispiel als Wettstreit, wer kann den grösseren Knopf drücken darf.

Nr. 3

Die andere Gretchenfrage «Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?» Saloppe Antwort: Ist primär Privatsache. Unsere Verfassung hält trotz Staatskirchen die Glaubensfreiheit hoch. Das heisst, wir geniessen die Freiheit, an eine geoffenbarte, verborgene, mysteriöse oder strafende Gottheit zu glauben. Wir haben aber auch die Freiheit, nicht an sie zu glauben. Ethik braucht vielleicht gar keinen Himmel. Ratio und Moderatio genügen eventuell vollauf. Also seien wir tolerant. Ich meine «militant tolerant», das heisst dort nicht mehr, wo uns missionarische Intoleranz entgegenschlägt.


Nachtrag zum Thema Lightkultur von Ernst Bannwart (1. und 7. Strophe):

Wenn d’Sorge hesch
Wenn z’worge hesch
u
nd mängs dir abverhight:
Nimms light!

Denn nimms wie gsight
So läng wie bright
Grad zlight
So richtig light!


Kommentare (1)

Marianne Binder am 08.01.2018 09:00

Leitkultur? Wie wärs mit Freiheit, Gleiche Rechte, Solidarität, wenn mans mit der Religion nicht so hat? Ein frohes Neues Jahr.

REGION BRUGG

img

Wer wissen will, was gesell-schaftlich, kulturell und politisch unsere Region in und ausser Atem hält, wird hier nüchterne und satirische Kommentare finden, die zu Debatten anregen können. Klicken Sie auf Weiter, und schon erhalten Sie Einblick in den regionalen Mikrokosmos.

Weiter

«Man soll schweigen oder Dinge sagen,
die noch besser sind als das Schweigen.»

16. April 2026

Sagt Pythagoras von Samos (siehe Bildmitte). Volltreffer. Genau meine Lage. Denn Unruhe schwelt im Untergrund. Bin daher alles andere als sicher, weiterhin schweigen zu sollen. Kann vielleicht nicht stillsitzen und möchte hoffen, Besseres als Schweigen anbieten zu können.
Weiterlesen

Heute kein «Querbeet»

9. April 2026

Lea Grossmann schreibt regelmässig für die Kolumne «Querbeet» im General-Anzeiger der Region Brugg und die «Rundschau» für den Ost-Aargau. Sie macht das leidenschaftlich gerne, berät professionell Firmen in Content-Marketing-Strategien inklusive Kampagnen und setzt diese auch um. Hier ihr Text:
Weiterlesen

Jules Bloch (1947 – 2026)
Monument eines «Landjuden» im aargauischen Surbtal

30. März 2026

Am 17. März verstarb mit Jules Bloch ein mit seiner Heimatgemeinde Endingen in einmaliger Treue verbundener israelitischer Mitbürger.
Weiterlesen