Kritik

Irrsinns-Adjektive?

Ein Herr A. Graf sondert auf das E-Paper der az folgenden Kommentar ab: «Für das irrsinnige Fusionsprojekt mit Schinznach-Bad sind leider alle Kandidaten.» Ausnahmsweise irritiert hier nicht sein Irrtum, sondern vielmehr sein Gebrauch von Adjektiven. Dazu hätten wir einen Rat von Georges Clemenceau.

Wir sind offenbar mit einem stilistischen und folglich inhaltlichen Problem konfrontiert, nämlich mit jenem des geringsten sprachlichen Widerstandes. Man nimmt das erstbeste Wort und damit in der Regel das oberflächlichste.

Sich einzubilden, viele Leserbriefverfasser kümmerten sich um eine angemessene und präzise Sprache, ist etwa so illusionär wie anzunehmen, Blitze schlagen nicht in Häuser ein. Oder die SBB lasse keine Züge ausfallen.

Möchten Sie Beispiele aus Leserbriefen dazu? Bitte sehr: »Littering ist doof.» Mag sein, aber der Satz auch. «Ein völliger Schwachsinn.» Gibt es auch einen minimalsten Schwachsinn? «Das ist reine Angstmacherei.» Gleiche Frage: Kennen Sie einen unreinen, ungewaschenen Schwachsinn? Ich kenne nur den ausgewachsenen oder unausgegorenen.

Ich halte es mit dem redaktionellen Rat von Georges Clemenceau: «Bevor Sie ein Adjektiv hinschreiben, kommen Sie zu mir in den dritten Stock und fragen, ob es nötig ist.»

Also Herr Graf: Falsche oder unberechtigte Adjektive weglassen, und wenn doch, dann aber keine wie kostenlose Geschenke, seltene Raritäten, fundamentale Grundlagen oder irrsinniges Fusionsprojekt. Das ist übrigens ganz vernünftig.


Kleiner Nachtrag.
Der hat nun wenig mit Adjektiven zu tun, ist aber als Zitat von einem Experimental-Dorf-Politiker (EDP) inhaltlich und sprachlich einerseits berückend, andererseits aber auch bedrückend. Hier bitte im Original:

«Laut den linksgerichteten ist heute alles Sexistisch und gehört Verboten.»

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