Kritik

Jargon und Politik

Lasst uns heute mal ganz oben beginnen, zum Beispiel mit Theodor W. Adorno. Ach herrjeh, da muss ja man mitdenken.

Ja genau, und primär dann, wenn Signalwörter des Jargons verwendet werden. Adorno bezeichnet sie als Edelsubstantive wie etwa Auftrag, Anruf, Begegnung, echtes Gespräch, Anliegen und Bindung (JdE 9/417). Er kritisiert dort, dass diese als übertreibender Gestus einen emphatischen Wahrheitsanspruch erheben, der sich so nicht einlösen lasse.

Das tut sie in der Tat nicht immer. Und schon gar nicht bei Kandidaten für politische Ämter, bei denen die Hoffnung realer ist als der Erfolg. Da tragen auch die Edelsubstantive und Reizwörter wie die falsche Richtung für die Bereiche Finanzen, Sicherheit, Bundesasylzentrum und Bürgerinteressen nicht weiter. Die Problemhülle ist längst bekannt, weder originell und etwa so inhaltslos, wie ein verlassenes Wespen-nest, in das sie gestochert zu haben glaubten.

Haben sie aber nicht. Sie begnügen sich mit hohlen Slogans wie Neue Ideen, statt alte Politik. Frisch. Dynamisch. Lokal. Und das auch dann, wenn sich diese neuen Ideen als nicht mehr ganz frische und lahme, wenig emphatische Gesten enthüllen, und sich die nur scheinbar entfesselte Dynamik bemüht, die gedankliche Substanz zu kaschieren.

Da prasseln dann die Worthülsen nieder wie weiland der Hagel vor ein paar Wochen. Beispiele: Mehr Sicherheit im öffentlichen, echter Sanierungskurs der aus dem Lot geratenen Finanzen … und bitte ohne Steuererhöhung.

Oder: Abläufe und Effizienz steigern. Ich bitte Sie, das ist nun so neu und originell wie der Satz: «Wenn es regnet, wird der Rasen nass.» Aber gut. Wenn man «das Städtli im Herzen hat», dann kann man platterdings jede Plattitüde verbreiten, welche die Substanzlosigket solcher Signalwörter des Jargons zudeckt. 


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