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Tempus fugit

Eigentlich «tempus irreparabile fugit.» Deutsch etwa: Unersetzbar flieht die Zeit dahin. (Vergil, Georgica 3,284). Und zeitgenössisch klagen wir: «Was, schon wieder ist der Mai vorbei?»

Es scheint, immer schneller huscht die Zeit an uns vorüber. Schlimmer noch: Die schiefe Ebene wird immer abschüssiger. Schon bald ist wieder Weihnachten; bei den Detailhändlern bereits im Oktober. Und für manche wird's Zeit, den Mailänderli-Teig vorzubereiten. Und vorher noch den Hefeteig für die Gritibenzen.

Kann man gegen die rasch verströmenden Stunden was tun? Ignorieren? Verdrängen? Sie vor dem Fernseher mit Fussball-Nüssli-Bier verplempern? Einen Essay schreiben?

Geständnis: Ich habe nicht mal eine Spur einer Ahnung. Dann halt doch in den Latein-Restbeständen herumkramen. «Carpe diem» oder eben: «Tempus flendi et tempus ridendi.» Eben eine Zeit zu weinen (Eishockey-WM) und eine Zeit zu lachen (heuteSHOW und Dieter Nuhr).

Die Pessimisten reden vom finalen Inferno. Frei nach Schopenhauer: Die Welt als Hölle und Verstellung. Die Optimisten schwärmen von Instagramm. Die Welt als Quelle der Verführung.

Meine Devise ohne Zeitflucht und Termindruck: «Ridentem dicere verum.» Lachend die Wahrheit sagen. (Horaz, Satirae 1,1,24.) Zumindest versuchen, denn die Wahrheit gibt es bekanntlich nicht.


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