Region Brugg
Grand Café Odeon in Brugg

1959 kam er in die Kinos. Allerdings nicht in alle, denn der «Sittenfilm» von Kurt Früh wurde in sechs Kantonen verboten. Er hiess «Café Odeon» und galt als Melodrama aus dem Zürcher Milieu mit kritischem Ansatz. Er ist aus heutiger Optik eher harmlos in Schwarz-Weiss.
Weniger harmlos scheint gegenwärtig in der Stadt der Disput um die Zukunft der Kulturstätte ODEON zu sein. Tenor der Debatte: Kulturförderug oder Arithmetik? Im Klartext: Fördergelder Ja oder Nein für «einen Ort der Begegnung, der Vielfalt, der Kreativität, ein kultureller Fixpunkt für die ganze Region und ein zentraler Bestandteil der Aargauer Kulturlandschaft.» Aber halloo jetzt: Eine grosse Kiste.
Grundsätzlich ist es sicher sinnvoll, Kultur zu fördern, was immer die auch ist und sein will. Allerdings könnten wir uns auch fragen, was, warum und wer denn? Zum Exempel Zian, Dodo, Moser & Schelker, Loco Escrito, Yoia Marleen, Gigi Malua oder Azton? Wer sind die? Muss man die kennen? Wie bitte? Keine Ahnung hätte ich. Ja, dann habe ich halt den Anschluss verpasst und bin voll Opfer.
Was nun die Kulturszene (ESC, Argovia-Fest, Drei-Akkorde-Bands) betrifft, da hat man halt so seine stillen Vorbehalte. Äussert man diese dann versuchsweise trotzdem, gilt man noch rasch als Kulturprolet, oder schlimmer noch, als elitäre Hochnase, die aber zufällig anderen Göttern huldigt als jenen, die im ODEON dem Publiko als relevant erscheinen.
Das will jetzt aber auch nicht heissen, dass man jenem Leserbriefschreiber bedingungslos zustimmen muss, der uns insinuiert, dass «der politische Einfluss von SVP und FDP im Kanton Aargau die Kulturpolitik präge, weil diese die Kultur vor allem als Kostenfaktor bewerteten. Das mag ja sein. Das tun die vielleicht wirklich.
Trotzdem: Das ist Kultur ja partiell auch, nämlich eine Kostenstelle. Die SVP ihrerseits zumindest bevorzugt da dann eher ihre geliebte Agrikultur und verpasst dem Wort Kunst mit Vorliebe das Suffix -honig oder -dünger. Zitat A. Schmidt)
Aber ernsthaft. Ob der Verlust des Kulturraums ODEON «ein Loch in selbigen reissen» würde, kann ich nicht beurteilen. Ich frequentiere diesen «kulturellen Fixpunkt» nicht, da wie gesagt meine Kulturhalbgötter dort weder zu sehen noch zu hören sind.
Und ob «Kultur ein Teil unserer Identität ist», das darf doch in so manchen Fällen skeptisch gesehen werden. Trotzdem: Das ODEON soll weiterleben; und da mit Vorzug sein kinematographischer Anteil.
Hier wäre dann aber noch Tucholsky mit seinem Zweizeiler zu beachten:
«Es lastet auf dieser Zeit
der Fluch der Mittelmässigkeit.»

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Kommentare (1)
Bevor das durch die Wirtschaft erarbeitete Steuergeld als Kultur-Subvention verteilt wird, muss halt schon die Frage nach dem Warum, Wozu, Wem, Wieviel und Überhaupt ernsthaft gestellt und verständlich beantwortet werden. Ein Klagelied ist noch keine Antwort und schon gar keine Kultur. Viele Kulturangebote kommen ohne Subventionen aus. Das ist mir als Steuerzahler und Nicht-Nutzer am liebsten. In der Regel besuchen ohnehin Besserverdienende Kulturangebote. Wenn die nicht bereit sind, dafür die Kosten zu tragen, muss man sich schon fragen, warum die Allgemeinheit diese mitfinanzieren sollen. Ich finanziere mein Hobby selbst.