Satiren

Die Wäffligers und der Wahlkrampf

Alphons faltet sein Intelligenzblättgen und legt es auf den Altpapierstapel. Paula ist am Glätten.

Paula: Und? Was Interessantes gelesen?
Alphons: Nein. Nur Judo, irgendwas mit ODEON, Gelbbauchunken, Tempo 30.
Sie: Und sonst?
Er: Ja gut, da ist noch der Wahlkampf im Städtchen. Tonnenweise Kommentare und Inserate mit Portraits.
Sie: Eine schöner wie die Andere?
Er: Ja, und Einer kompetenter wie der Andere.
Sie: Dann ist es ja gut.
Er: Nicht immer. Für den Stadtrat hat’s auch einen Debütanten dabei.
Sie: Will zum Opernball und kann nicht tanzen?
Er: So ähnlich. Da kandidiert einer ohne irgendeinen politischen Leistungsausweis.
Sie: Also weder Partei, Einwohnerrat oder Kommission?
Er: Gar nichts. Und zudem eine Last-Minute-Kandidatur.
Sie: Spontan sozusagen.
Er: Präsenz statt Kompetenz, die neue Masche.
Sie: Neu ist die aber nicht.
Er: So wenig, wie zu wissen, dass es in zwei Parteien etliche Einwohnerräte gibt, welche die Ideen der AfD gut finden.
Sie: Die Armleuchter für Deutschland? Das hast du jetzt aber erfunden.
Er: Leider nein, sondern auf Umwegen erfahren.
Sie: Kenne ich sie?
Er: Wen, die Umwege?
Sie: Nein, diese Leute.
Er: Kaum. Musst du auch nicht.
Sie: Warum denn nicht?
Er: Ist nicht gut fürs Nervenkostüm.
Sie: Ja dann, von mir aus.
Er: Wenn du dich echt aufregen möchtest, dann über die Papierwälder an den Strassenrändern.
Sie: Stimmt, wird von Jahr zu Jahr üppiger.
Er: Eine plakative Pandemie.
Sie: Mit dem Unterschied, dass da alle ohne Maske dabei sein wollen.
Er: Das ist doch wie an einer Party. Dort wird es auch immer lauter, weil man sich gegenseitig übertönen muss, um noch gehört zu werden.
Sie: Lauter Schwerhörige.
Er: Und dann diese Slogans: Meistens nur Worthülsen und Substanzarmut.
Sie: Anstelle von Leistungsausweisen und konkreten Projekten.
Er: Braucht’s doch nicht. «Mehr Miteinander. Weniger Gegeneinander» genügt doch.
Sie: Also nix gewesen mit Dialektik?
Er: Scheint so. Andere wollen «Zusammen wachsen. Zusammenwachsen.»
Sie: In der KITA? Auf der Skipiste?
Er: Was, wo? Ach so, Wortspiel. Andere wollen aber «Mehr Wir. Weniger ich. Mehr Mitte.»
Sie: Wie altruistisch.
Er: Nein, nur FDP: «Verlässlich, Nah, Liberal.»
Sie: Und dieses Liberale sieht man dann am Strassenrand.
Er: Du meinst die Freiheit für Plakatorgien.
Sie: Ja, und überall viel Raum für hohle Phrasen.
Er: Floskelsätze.
Sie: Nebelworte.
Er: Wörterwolken.
Sie: Wortgirlanden.
Er: Ja, schon gut, Paula. Ich hab's verstanden. Was mich aber immer wieder erstaunt, ist der Umstand, dass die Produzenten und die Konsumenten den Krempel offenbar ernst nehmen. Ich bitte dich, das Geraffel ist doch teilweise noch doofer als KI und die Werbeblocks von Radio Argovia.


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