Satiren

Wäffligers und die Hamburger

Alphons überfliegt am Mittag kurz das kantonale Intelligenzblatt. Er legt es schon sehr bald gelangweilt aber nur leicht pikiert zur Seite.

Alphons: Halliihalloo Paula, schon gelesen?
Paula: Was denn?
Er: Wir kriegen einen McDonald's.
Sie: Wo?
Er: Beim Bahnhof.
Sie: Ausgerechnet da.
Er: Genauer am Roten Platz. 
Sie: Ja gut, dann halt dort.
Er: Aber sicher, die haben sich das gut überlegt.
Sie: Du meinst, Lage, Laufkundschaft ... Alkis, Drögeler und so?
Er: Die weniger. Aber dafür Eltern mit ihren Kindern. Die sollen ja süchtig sein nach dem Zeug.
Sie: Nicht nur die Kinder. Und du? Schon mal so einen Burger verdrückt?
Er: Ja, einmal in Edingburgh.
Sie: Edingburgh? Wie das denn?
Er: Schottlandreise. Hatte kein Frühstück und Hunger wie noch nie.
Sie: Und wie war er?
Er: Wie alles, wenn man grossen Hunger hat. Da esse ich sogar Fenchel.
Sie: Und auch einen Burger? 
Er: Nein. Jedenfalls nicht, seit du kochst. 
Sie: Heuchler sterben früher. 
Er: Nein wirklich. Ich esse doch keine Subito-Stehkost.
Sie: Das sieht unser Fritz ganz anders.
Er: Welcher Fritz?
Sie: Ja, welcher wohl? Wir kennen doch nur einen.
Er: Ach so, der Böckelmeier.
Sie: Ja genau der. Der soll ja jede Woche zwei bis drei Mal im McDonald's verkehren.
Er: So sieht er auch aus.
Sie: Du meinst, Body-Mass-Index gegen 29.5?
Er: Das wäre dann Adi...irgendwas.
Sie: Adi...Po...? Mir kommt das Wort auch nicht in den Sinn.
Er: Schon gut. Po passt jedenfalls. Sagen wir einfach zu dick.
Sie: Kunststück, wenn der dauernd chunk food isst.
Er: Seine Frau soll ja ...
Sie ... du meinst die Rosa?
Er: Ja, die soll eine miserable Köchin sein. Sagt jedenfalls die Jolanda.
Sie: Die Schwatzmann? Hab' ich auch gehört. Die Rosa verkoche alles, versalze den Blumenkohl und lasse den Braten anbrennen.
Er: Das aber im Gegensatz zu ihm.
Sie: Richtig, der Fritz lasse nichts anbrennen. Sagt jedenfalls die Jolanda.
Er: Die muss es ja wissen. Und der Fritz zäusele gerne. Vor allem politisch.
Sie: Ja gut. Aber als Gegner von McDonald's hat er sich nicht geoutet.
Er: Klar warum. Denn dafür hat der doch nicht auch noch Zeit. Der muss jede Woche mindestens einen Leserbrief geschrieben haben.
Sie: Worüber denn?
Er: Was weiss ich. Über parteilose Kandidaten, Nachbarschaftstreit, Busverbindungen, Halbtax-Abonnemente und unfähige Regierungen.
Sie: Also das übliche Geklöne?
Er: Genau. Und das strengt an. Da braucht er pro Woche mindestens zwei Double Big Macs.
Sie: Sicher, und die dann mit Pommes, Mayo und Ketchup.
Er: Puuh, muss anstrengend sein. Apropos, was kochst du heute abend? Ich hätte gerne wieder mal Hacktötsche.
Sie: Mit Blumenkohl und Fenchel, gell? 


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