Region Brugg
Stadtrat und Stadtammann:
Spekulatives aus der Politküche

Am 30. November 2025 ist es wieder einmal soweit. Die Stadtexekutive wird neu zusammengestellt. Drei von den acht Mitbewerbenden werden dann in der politischen Garküche nichts oder nichts mehr zu köcheln haben. Gegenwärtig wird freudig spekuliert, wer das sein könnte.
Aber da mache ich nicht mit. Bin ich denn SF SRF oder das kantonale Intelligenz-blättgen? Die vermengen doch hin und wieder Bericht und Kommentar. Also, Hände weg!
Bereits geklärt ist immerhin, welche bekannten, mehr oder etwas weniger geeigneten Personen und Persönlichkeiten - ist ja nicht dasselbe - mit plakativer Nonchalance und stereotypen Worthülsen versuchen, ihre Position innerhalb der neuen städtischen Küchenbrigade zu wahren oder zu finden.
Zu vergeben sind, neutral und entgendert formuliert, der «Chef de Cuisine» (Küchenchef) und der «Souschef» als stellvertretender Küchenchef und die «Chefs de Partie» (Station-Chefs), die für Zubereitungs-Bereiche wie Finanzen, Soziales, Bauwesen, Verkehr und vor allem Sicherheit und andere mehr verantwortlich zeichnen müssen und es hoffentlich mit «bon goût» und den richtigen Zutaten auch tun.
Es sind dies - entschuldigen Sie, wenn ich das aufgrund personeller Rückfragen hier wiederholen muss - alphabetisch geordnet die mehr oder weniger profilierten Protagonisten:
Roger Brogli (parteilos), bisher
Yvonne Buchwalder (FDP), bisher
Alexandra Dahinden (SP), neu
Barbara Horlacher (Grüne), bisher
Michel Indrizzi (FDP), neu
Jacqueline van de Meeberg-Meichtry (Mitte), neu
Patrick von Niederhäusern (SVP) neu
Daniel Zrnic, (parteilos) neu
Rein mathematisch bestehen folgende Sitzansprüche:
| Partei | Sitze ER | Sitzanspruch |
| FDP | 12 | 1.21 |
| SP | 10 | 1.02 |
| SVP | 9 | 0.91 |
| Grüne | 6 | 0.61 |
| Die Mitte | 5 | 0.51 |
| Grünliberale | 4 | 0.41 |
| EVP | 3 | 0.31 |
| Total | 49 (?) |
Zur Proporz-Wahl-Ansicht (ProWA) will ich mich nicht erneut äussern; und schon gar nicht die Persönlichkeits-Wahl-Ansicht (PerWA) vom Estrich herunterholen.
Die ProWa fixiert Sitze für die FDP, SP und auch die SVP. Die PerWA favorisiert Leute, die in der Ratsküche mit Rezepturkenntnissen, rhetorischem Talent, Durchsetzungsvermögen und mit einem phantasievollen Sensorium für das politisch Denk- und auch Machbare aufwarten.
Ob dieses Anliegen die Schwaden sanfter Zweifel vertreiben, welche um die Häuser wabern, muss hier nicht vertieft werden. Denn schon gar nicht will ich mich über Qualifikationen und Bekanntheitsgrade im Einzelfall äussern, die sicher noch Wünsche offenlassen könnten.
Weit eher darf man daran erinnern, wie herausfordernd und belastend so ein Exekutivamt sein kann. Denn da werden Personen der ausführenden Gewalt von Leuten kritisiert, die selber wahrscheinlich nicht einmal gewählt worden wären, geschweige denn ein solches Amt kompetent ausgeübt hätten.
Die Triebfedern sind vermutlich Neid, Glücklosigkeit, Besserwisserei, Ideologien von JUSO bis AfD, und in dem Fall - «Beati pauperes spiritu» - ein exquisiter Mangel an Denkvermögen und -leistungen.
Was auch immer: Neues Spiel, neue Chancen. Die Würfel werden geworfen sein, und man hofft, dass die Köchinnen und Köche nicht mit Pfannen um sich schmeissen, sondern sich und den Arbeitsort unter Dampfdruck setzen und mit Korrekturen, Konstruktivem, Konsens, Konkordanz und mit profiliert gepflegter Kultur aufwarten.
Genug haben wir jetzt eindeutig von weiteren Konflikten mit Endlosrunden um den Heissen Brei.
Haben Tiefgaragen Gefühle und eine Seele?
Gerüche und Gestank, das ja. Aber Gefühle oder gar eine Seele? Nein, eindeutig nicht. Und doch werde an der Kulturbrugg (Welche Kultur, Leute?) das Parkhaus Eisi trotzdem zum lebenden Organismus. Da begänne es im Untergrund zu zischen, zu klopfen und zu atmen.
Kurze Frage: Sind Künstler noch bei Verstand oder blasen sie einfach ein wenig tönende Luft in die Parkkatakomben? Oder schaffen sie nach dem Prinzip, jeder Primäreinfall eine künstlerische Apotheose? Jeder flatus ein opus (arte factum)?
Nur zu gerne wiederhole ich zum Thema Vernissage-Kunstkommentare dies, was der leider verstorbene englische Schriftsteller David Lodge dazu geschrieben hat. Hier bitte:
«Nichts könnte besser meine These veranschaulichen, dass ein Grossteil der zeitgenössi-schen Kunst nur durch ein aus Diskurs bestehendes gigan-tisches Stützgerüst gehalten wird, ohne das sie einfach in sich zusammenfallen würde und nicht mehr von Müll und Schrott zu unterscheiden wäre.»
Na bitte, passt doch. Denn ich halte es mit Oscar Wilde: «Ich habe einen ganz einfachen Geschmack: Ich bin immer mit dem Besten zufrieden.» Und nun mal nicht mit lokalem Mittel-mass.
Dazu noch Kurt Tucholsky:
Es lastet auf dieser Zeit
der Fluch der Mittelmässigkeit.

Kommentar verfassen
Kommentare (0)