Querbeet

General-Anzeiger Brugg und Rundschau:
Querbeet vom 16. Oktober 2025: «Anstand»

«Der hat keinen Anstand.» Wenn man das in den 50er-/60er-Jahren, der Zeit meiner Kindheit, von jemandem sagte, dann wurde der in der Regel gemieden.

Man suchte Distanz und wollte nicht so sein wie der. Oder ihn gar mit lästernden Wörtern eindecken. Sie wissen schon welche. Das ging nicht. Das galt als unanständig und wurde meistens handfest gerügt. Heute gehören sie zum Courant normal.

Sie glauben mir nicht? Na, dann tun Sie sich mal Filme an, die in irgendeinem sozialen Brennpunkt angesiedelt sind. Ich habe wahrlich nichts gegen deftige Ausdrücke, aber bitte keine fäkalischen und gegen Personen. Noch klingt in meinen kindlichen Ohren der Satz nach: «Gell, bisch denn aaschtändig!» Und zwar mit allen.

Das hiess, nicht herumwüten und gotteslästerlich fluchen. Und grüsse alle Erwachsenen. Benimm dich in der Schule, sei kein Schnörri, verpetze deine Kameraden nicht, prügle dich nicht mit ihnen herum und wirf keinen Abfall auf die Strasse. Das vor allem nicht.

Wir wussten nur zu gut, das gehört sich nicht. Und auch diese komischen Mädchen liessen wir in Frieden, was uns bis zur beunruhigenden Pubertät nicht schwerfiel. Na ja, nachher dann schon.

Klar, wir waren nicht immer anständig. Vor dem 1. August schmissen wir uns Böller (Schwärmer) um die Ohren. Schlimm, wenn einer direkt daneben explodierte. Hab’s erlebt: Drei Tage lästiges Pfeifen. Oder der Franz bewarf uns mit Rossböllen. Auch klauten wir nach der Jugi Aprikosen.

Aber wehe den Erwischten. Da gabs Watschen an die Backe oder gleich mit dem Lineal vom uralten Lehrer Wild. Der hiess so. Er vertrat für drei Wochen unseren Militärdienst leistenden, ebenfalls prügelnden Riesenlehrer Zeller. Der war nicht besser, hatte sich absolut nicht im Griff. Oder dann nur seinen Haselstecken, mit dem er quartalsweise unseren Franz verdrosch.

So war das. Soll ich jetzt verkünden, das habe uns nicht geschadet? Weiss ich nicht. Und es wäre gut, wenn man den zeitläufigen verwöhnten Gen Z-Weicheiern wieder mehr Härte, Anstand und Comment beibringen würde? Keine Ahnung. Aber also manchmal … nur so als Gedanke.

info@valentin-trentin.ch


Das nächste Querbeet erscheint am 4. Dezember 2025. Thema: Generell das Datum und die Hl. Barbara.


Kommentare (1)

Ernst Bannwart am 17.10.2025 19:40

Das werde ich jetzt diesmal also nicht kommentieren. Gebietet der Anstand. Weil, wenn ich widerspreche, geht mir selbiger ab, und wenn ich beipflichte, wirkt das anbiedernd und bringt auch keine neue Erkenntnis. Aber anstandshalber bitte ich dennoch um Kenntnisnahme meiner Begründung, weshalb ich also auf einen Kommentar verzichte.

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