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Sei uns willkommen, Herbst

Ja, wenn uns beim Anblick der entblätterten Wälder auch dieses Jahr wieder Melancholie anfällt und an den Frühling denken lässt, der mit stoischer Regelmässigkeit in ein paar Monaten uns mit Blüten und Blättern überfällt, das Poetische bleibt. Aber gerne überlasse ich es den Könnern wie Gottfried Benn.


Viele Herbste 
Wenn viele Herbste sich verdichten
in deinem Blut, in deinem Sinn
und sie des Sommers Glücke richten,
feg doch die fetten Rosen hin, ... 

Nein, das nicht, unsere Rosen im Garten fegen wir nicht hin; wir lassen sie verblühen, und zwar nicht nur symbolisch, sondern höchst real, wenn die Meteorologie uns daran erinnert, dass schon bald Gloucesters «winter of our discontent» naht und den «glorreichen Sommer» begraben haben wird. Wofür doch Shakespeare und Richard III. noch immer herhalten können.

Und wie Zitate in unsere Gegenwart passen, verblüfft immer wieder. Nehmen Sie nur mal diese aus der berühmten «Sein oder nicht Sein»-Monolog-Passage.


There’s the respect
That makes calamity of so long life;
For who would bear the whips and scorns of time,

The oppressor’s wrong, the proud man’s contumely,
The pangs of despised love, the law’s delay,
The insolence of office and the spurns
That patient merit of the unworthy takes.
When he himself might his quietus make.


Das ist die Rücksicht,
Die Elend lässt zu hohen Jahren kommen.
Denn wer ertrüg der Zeiten Spott und Geissel,

Des Mächtigen Druck (Wladimir III.), des Stolzen Misshandlungen,
Verschmähter Liebe Pein, des Rechtes Aufschub (Donald I.),
Den Übermut der Ämter und die Schmach,
Die Unwert schweigendem Verdienst erweist (Donald II.).

Nicht fehlen dürfen die roten Kaiser von China, der Dicke aus Nordkorea, der weissrussische Gefängnisaufseher, die Mordbuben der Hamas, des IS, der al-Quaida, al-Asqa, der Hizbullah und anderer islamistischer Derivate, die für einen weiteren «Winter des Missvergnügens» sorgen.

Beinahe vergessen hätte ich die afrikanischen Despoten und jenen aus Venezuela. Die Liste nähme vermutlich kein Ende, würde ich sie ergänzen. Halt eben mit den «whips and scorns of time», mit diesen Spottfiguren und Geisselnehmern der Gegenwart.


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