Satiren

Wäffligers und das Filet Wellington

Es ist halb sechs Uhr (1730). Alphons tigert in der Küche herum. Paula sitzt am Küchentisch und blättert in einem Rezepteheftli eines Detailhändlers.

Alphons: Was gibt's heute zum Znacht?
Paula: Was, bitte, Znacht, jetzt schon? Und wieso fragst du überhaupt? War's gestern nicht gut?
Er: Wieso? Ja ... also nein, es ist in Ordnung gewesen, wie immer.
Sie: Nur in Ordnung? Und wie immer?
Er: Nein ... ja. Ich meine, es war gut ... eben wie immer … vor allem der Blumenkohl.
Sie: Der Blumenkohl? Was ist mit meinem Blumenkohl?
Er: Nichts.
Sie: Was nichts? Und ich mach' auch nicht immer Blumenkohl.
Er: Jaa, schon klar, behaupt’ ich auch nicht. Du kochst sehr abwechslungsreich. Alles in Ordnung.
Sie: Nur in Ordnung? Wofür koche ich eigentlich noch? In Ordnung! In Ordnung!! Der Herr findet es in Ordnung. Was bin ich denn für dich? Eine Ordonanzköchin?
Er: Nein, natürlich nicht. Das Lammrack mit Polenta und Broccoli vorgestern war sehr gut. Ich könnte das nicht.
Sie: Ja eben. Das ist es ja gerade. Du würdest den ganzen Tag Cervelats und Brot  essen.
Er: Was hast du gegen ein Waldfest ... mit Senf?
Sie: Nichts. Aber jeden Tag?
Er: Jetzt nicht übertreiben.
Sie: Das tu ich doch gar nicht. Erzähl mal, was kochst du, wenn ich nicht da bin?
Er: Ja gut, schon immer etwa das gleiche: Spaghetti, Pizza, Bratwurst und                  Fleischkäse, was ich halt gern habe.
Sie: Kein Gemüse, also. Keinen Blumenkohl zum Beispiel?
Er. Nein, eher nicht. Was hast du bloss immer mit deinem Blumenkohl?
Sie: Ich weiss, dass du ihn nicht magst.
Er: Na ja, ich würde Bohnen und Speck vorziehen. Vor ein paar Wochen habe ich mir übrigens ein Filet Wellington im Teig gegönnt. Du warst da zwei Tage bei Fritz und Frieda Böckelmeier.
Sie: Ja, leider. Und sieh' an, der Monsieur. Und warum machst du sowas nicht, wenn ich da bin?
Er: Weil du es besser kannst. Ich würde deine Kritik nicht ertragen.
Sie: Blödsinn. Ich würde dich rühmen.
Er: Aha, so wie letztes Mal, als ich grilliert habe. Was hat du da genörgelt, schlimmer  als die Frieda, diese Reklamier-Krampfhenne. «Zu wenig durch und versalzen!»
Sie: Stimmt. Das musst du noch lernen.
Er: Kann schon sein. Aber jetzt, sag, was gibt’s heute Abend? Sicher wie immer was Feines.
Sie: Ja, ein Waldfest.


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