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Etwas früher, als vorgesehen:
Depeschen-Bulletin Nr. 235
Loblied auf den Alltag

Was hat ein Sommerbild mit getakteter Alltagsabfolge zu schaffen, die offenbar nicht alle mögen? Da regt sich Widerspruch, denn ich liebe Routinen oder regelmässige Tagesabläufe, zu denen ein Körpertraining und an wärmeren Tagen Waldspaziergänge z. B. als Katalysatoren für Texte gehören.

Eines habe ich unter Bäumen gelernt: Verkrampft auf Musenküsse zu warten, ist müssig. Oder sich zu grämen, wenn die sich ums Verwürgen nicht einstellen wollen. Sie überfallen uns doch meistens unverhofft; und nicht selten bei Gelegenheiten und an Orten, die wir nur unter Zwang verraten würden. Ja, auch dort.

Auch beim Eindösen, da enthüllen sich aus schlaftrunkenen Gehirnnebeln nicht selten begehbare Lösungswege. Aber noch einmal: Als mein Favorit gelten Spaziergänge, also das regelmässige Marschieren im Wald vor allem geeignet für Poesie mit Reim- und Verschema.

Oder für die ersten Sätze eines Essays über die trügerischen Verschroben- und Verlogenheitem der Wokeszene und die Exzesse der Gendergangs. Sie sehen, ich kann's nicht lassen. Nun gut, in ein paar Jahren ist auch dieser Spuk wieder vorbei. Dann überrascht uns dann wahrscheinlich ein noch verrückterer.

Aber zurück zur Routine von Tagesabläufen, somit Kaffee, Zeitungslektüre, Tagebuch nachführen, Texte gestalten, E-mail erledigen und gegen Mittag Lauf- und Krafttraining; oder eben, wenn's wieder wärmer wird, auf in den Wald, eine Stunde gelassenes Marschieren und Phantasieren.

Am Abend dann TV. Wenn wir Glück haben mit einem einigermassen erträglichen Film oder mit Kabarettisten wie Dieter Nuhr oder Alfred Dorfer et alii. Im Übrigen aber halte ich es mit dem Fernsehen wie Arne Dahl in seinem Kriminalroman «Ungeschoren» (Zitat siehe unten.)

So vergeht kein Tag, an dem sich nicht irgendein Einfall, ein Ansatz für eine Geschichte oder für eine Kolumne, manchmal auch ein ganzer, schon fast pfannenfertiger Abschnitt einstellt.

Nur das noch: Manchmal hilft auch einfach hinsetzen, drauf losschreiben und nicht auf den Musenbesuch warten. Man munkelt, dass die neun Schwesten nur fleissige Leute mit regelmässigen Schaffensperioden besuchen. Na dann, lieber Alltag, los jetzt!


Zitat von Arne Dahl

«Es war einfach sagenhaft, was da vierund-zwanzig Stunden lang ins Bewusstsein der Menschen geflimmert wurde. Konstant verdummende Werbung mit kurzen Unter-brechungen für noch mehr verdummende Programme. Soaps, Dokusoaps, Spiel- und Quizprogramme, Sexsofas mit Pseudopromis, sogenannte Dokumentationen bar jeder Recherche, immer dürftigere Sportproduktionen.

Sogenannte Formate, die wahllos für Fantasiesummen aus allen Ländern gekauft 

wurden. Die Werbung erschien plötzlich als ein versöhnlicher Zug des Mediums. Wie kam es, dass die gesamte westliche Welt in nur wenigen Jahren jedes grundlegende Gefühl für Qualität verloren hatte?

Plötzlich war ihm klar – wie in einer religiösen Offenbarung –, dass die Geschichte diese Epoche als verloren einstufen würde. Eine tote Zeit. In der Generation auf Generation mental eingeschläfert wurde – mit Billigung der Regierungen.»


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