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Depeschen-Bulletin Nr. 219
Die Nation feierte. Und dies zurecht!

Hier also trotz «Mise en Sommeil» das visualisierte Nachschimmern eines latent moderaten Patriotismus.

Und das vor allem dann, als am 1. August wieder «mein Vaterland gerufen hatte.» Eigentlich schade um die alte Nationalhymne. God save the Confoederatio Helvetica.

Etwas erstaunt und enttäuscht war man wohl, als man sah, wie wenig rot-weisse Fahnen und Wimpel die Häuser und Stangen auch dieses Jahr schmückten.

Hingegen fiel auf, dass die Knallköpfe ihre Lust, Raketen, Böller und Vulkane abzubrennen, gesetzteskonform beherrscht haben.

Es bleibt dabei: Wir müssen ja nicht gerade unter Fahnenrauschen und Flaggenwäldern im Morgenrot und Strahlenmeer mit frommer Seele psalmodieren oder neben Alpenfirn und Abendglühn in patriotischem Überschwang zerfliessen.

Das nicht, aber sich daran erinnern und freuen, in welch erstaunlich stabilen Land wir doch im Kontext und Hinblick auf Diktaturen und Kriegstreiber sehr frei leben können, das durfte und darf weiterhin schon sein. 


Kommentare (1)

Pirmin Meier am 01.08.2022 08:58

Lieber Valentin
Deine schon von vielfachen Vorgängern vorgenommene Relativierung des Schweizerpsalms, musikalisch ein Aargauer Produkt, uraufgeführt in der Kirche St. Sebastian Wettingen 1835, ist im Ansatz ein Rückfall in Deine früheren "linksprogressiven" Zeiten. Dafür musst Du Dich nicht entschuldigen. Es gab schliesslich den von Dir mit Recht beanstandeten patriotischen Überschwang, ich habe solche Reden meinerseits erlebt, u.a. in einer Streitschrift gegen Schwarzenbach 1973 kritisiert.
Aber: Na, klar, stellt unsere Hymne im Gegensatz zur dreistrophigen deutschen Originalhymne keine Gebietsansprüche "von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt", ein Gesichtspunkt, den auch Putins Nachfolgehymne zur Sowjethymne sogar mit dem Lob Lenins ebenfalls noch stellt, und klar, wird nicht wie in der französischen und vielen anderen, auch der rassigeren italienischen Hymne nicht für den Tod fürs Vaterland aufgefordert, dafür aber nach Canetti dem Massensymbol der Schweiz gehuldigt, den Alpen.
Und was das Beten betrifft, hat kein Geringerer als der Feuerbach-Schüler, siehe Marx, Gottfried Keller im "Fähnlein der sieben Aufrechten" seinen Hauptredner Hediger, übrigens ein Aargauer Name mit Herkunft Reinach und Rupperswil, meine Kinder und Enkel haben Hedigerblut, hat ausgerechnet Gottfried Keller erklären lassen, in welchen Situationen man selbst als (fast) gottloser Schweizer betet.
Darüber werde ich heute abend in Gallenkirch nicht sprechen, weil der Bözberg noch ganz andere, wirklich wunderbare Themen feilhält, bis zur damaligen Rüebliländer Leibspeise von 1765, "Schnätterlig mit Späck", woran sich der heimwehkranke von Lessing als bester Schweizer Prosaschriftsteller gerühmte Brugger Arzt und Autor Zimmermann von Hannover aus erinnerte.
Vielleicht sehen wir uns heute abend in Gallenkirch. Wer nichts Neues über den Bözberg erfährt, kriegt von mir entweder eine Bratwurst oder, als Vegetarier, ein Glas Most spendiert.
Herzliche Grüsse an den Altgrossrat
Pirmin Meier, Altverfassungsrat

PS. Ein Kammerdiener von Stalin hat verraten, dass Stalin 1941, als es für ihn und Russland ganz kritisch wurde, als ehemaliger Priesterseminarist in der Kremlkapelle beim Beten beobachtet wurde. Nach Machiavelli hat er aber vielleicht nur dergleichen getan, er bete; dies eine Empfehlung an Machthaber betr. das Verhältnis der Politik zur Religion.

Muse en Sommeil?

img

Eigentlich eher nicht. Die Hitze kann weder ihr noch mir was anhaben. Was aber geschieht, wenn eine der göttlichen Neun uns meidet (Kalliope oder Euterpe), beschreibt Ernst Bannwart in seinem Gedicht «Musenkuss», der aber hier offensichtlich und spürbar kreative Präsenz belegt hat. Sie können ihn

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