Querbeet

Zitat Nr. 10
Das Glück der Einsamen
Zur Wahrnehmungs-Typologie des Alltags

Ja, schon gut. Das klingt wieder hochgestochen. Die Ursache ist es weniger. Da schreibt eine Frau, wie sie in Isolation und Abgeschiedenheit etwas wie Glück gefunden hat.

Sie schreibt:
«Venedig zwei Mal besucht und jedes Mal geheult, wenn ich ankam und dann eigentlich bei jeder Gelegenheit mal wieder, weil es so unglaublich schön ist ohne Menschenmassen. Diese Tiefe-dass ich das erleben darf-Dankbarkeit. In Rimini am Strand Prosecco getrunken und geheult, weil ich ohne Corona nie in Rimini gelandet wäre, im Bikini, am Strand und weil es mich auf süsseste Art an meine Jugend erinnert hat, obwohl ich damals gar nie in Rimini oder sonst wo in Italien am Strand gewesen bin.»

Ma moutarde scientifique:
Zur alltäglichen Wahrnehmungs-Typologie dies: Es gibt grob gesehen drei Ausprägungen. Die Problemseher, die Glücksfinder und die Gleichgültigen. Die letzteren lassen wir hier einfach mal weg. Die kümmern sich ja auch nicht um uns.

Über die Problemseher nur kurz dies: Sie werden umschwirrt von Begriffen wie Nörgler, Miesmacher, Quengler, Stänkerer, Kritikaster, Leserbriefschreiber und Prof. Dr. Karl Lauterbach. Meistens repräsentieren sie eine etwas unangenehmere Variante des Geisteslebens. Also kein Wort mehr.

Ja und dann diese Glücksfinder. Wie diese Frau an Venedigs und Riminis Gestaden. Vorbildlich und beneidenswert, Madame. Die einmalige Chance der Isolation und Reduktion erleben und dabei noch glücklich sein. Das ist schon was.

Oder sich wieder auf das Wesentliche im Leben konzentrieren zu dürfen. Eben Bummel statt Rummel, Jubel statt Trubel, Hummer statt Kummer, Rote Rosen statt Tote Hosen und vor allem Phantasie statt Aphasie. Es muss ja nicht unbedingt in Venedig oder Rimini sein. Manchmal genügen auch Balkonesien und Terrasien.


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