Satiren

Wäffligers und die internationale Steakkultur

Alphons steht am Herd. Heute ist er für das Nachtessen zuständig. Paula sitzt am Küchentisch, geniesst den Bratenduft und blättert in der Lokalzeitung.

Paula: Du, da steht, das Restaurant Feldegg in Kurlikon macht wieder auf.
Alphons: Soso?
Sie: Ist das alles? Soso? Immerhin bist du doch früher dort gerne vorbeigegangen.
Er: Kann schon sein.
Sie: Das war so.
Er: Vielleicht für ein Bier. Ja, stimmt. Da gab’s auch einen einmaligen Wurstsalat.
Sie: Jetzt bleib' auf dem Boden. Zugegangen ist es aber trotzdem.
Er: Ja, der Wirt ist ins Welschland gezogen. Ich glaube, vor einem Jahr.
Sie: Histoire d’ amour?
Er: Nein, irgendwas mit einer Erbschaft. Ist wirklich schade gewesen. Das Essen war gut, etwas rustikal … währschaft eben. Kein Schischi und Trullala.
Sie: Hier steht, der neue Pächter heisst Özdemir. Klingt nicht nach Berndeutsch.
Er: Ja, warum nicht? Ist doch egal. Hauptsache er beherrscht sein Metier.
Sie: Aha, da ist er wieder, mein Nultikulti-Mann.
Er: Ach woher. Nur toleranter … und gib ihm eine Chance.
Sie: Wem?
Er: Ihm, dem neuen Wirt. Gibt’s da schon Werbung?
Sie: Ja, und wie. «Pasta für 2 für 1 – Jeden Montag und Dienstag».
Er: 2 Teller für eine Person?
Sie: Sicher nicht. Er meint zwei Portionen zum Preis von einer.
Er: Das ist dann was für die Böckelmeiers ... deine Pasta ist besser.
Sie: Danke. Willst du wissen, was der Neue neben Pasta auch noch anbietet?
Er: Nicht unbedingt.
Sie: Also keine «perfekt gereiften Steaks, keine heiss geliebten Cordon bleus»?
Er: Immerhin besser als lauwarm gegessen.
Sie: Dafür aber «in gemütlich Atmosphäre und ehrlicher Schweizer Gastfreundschaft», steht jedenfalls da.
Er: Na ja, die Schweizer Gastfreundschaft hat noch Potential.
Sie: Jetzt sei doch nicht so negativ. Hier heisst es, der Mann setze auf «Qualität und regionale Verwurzelung».
Er: Verwurzelung? Klingt etwas nach Waldwirtschaft, findest du nicht?
Sie: Ja schon. Da hat der Werbeberater wahrscheinlich etwas zu tief in die Heimatkunde-Schatulle gegriffen.
Er: Denke ich auch.
Sie: Moment, es kommt noch besser.
Er: Bitte nicht.
Sie: Doch, doch. Warte, ich lese es dir vor: «Das Restaurant Feldegg Steakhouse ist ein Ort der Exzellenz ...»
Er: ... ich fall' in Ohnmacht ...
Sie: ... «wo Schweizer Tradition ...»
Er: ... au, das tut jetzt weh ...
Sie: ... «und internationale Steakkultur sich in einer atmosphärischen Kulisse verbinden.»
Er: Hää? Exzellenz und internationale Steakkultur? Also mir genügt’s, wenn sie lokal richtig à point gegrillt sind. Und von wegen atmosphärischer Kulisse. Was soll das denn sein? Der Dampf aus der Küche?
Sie: Witzig, wie immer. A propos Dampf. Was machen deine Hacktötsch? Riecht gut.
Er: Finde ich auch. Das nennt sich die Alphon’sche regionale Bratkultur.


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