Querbeet
General-Anzeiger Brugg und Rundschau:
Querbeet vom 2. Juli 2026
«Snob oder Dandy?»
Ungekürzte Originalversion

Ist es Ihnen egal oder sind Sie beleidigt, wenn Sie jemand einen Snob nennt?
Dann reagieren Sie also, wie man es von einem wahren Snob erwarten darf? Nämlich wohldosiert und hoffentlich nicht allzu arrogant. Doch nicht etwa so: «Wie hast ausgerechnet du das herausgefunden?»
Das können wir besser, denn der wahre Snob ist nie überheblich. Das hat er gar nicht nötig. Wär’ er es, bedeutete das ja, dass er auf das Urteil seiner Umgebung massgebenden Wert legte.
Ein echter Snob ist immer tolerant. Er würde nie bestimmen wollen, was Leute glauben, denken, lieben, essen, abstimmen oder tragen sollen? Es ist ihm vollkommen egal. Das überlässt er den Kirchen, dem Journalismus, den Psychologen, den Grünen und den JUSOS oder Herrn Lagerfeld.
Ein Snob trägt z. B. keine hübschen weissen Turnschuhe zum Cut. Oder nur im Notfall. Sowas ist in der Regel das Privileg des Dandy. Und wodurch unterscheidet sich der von einem Snob? Der Dandy steht eine Stunde länger vor dem Spiegel trägt eine Kaninchen-Krawatte und Corgi-Socken mit Katzenbildern.
«Ich bin ein Snob.» Ein echter Snob würde das nie von sich sagen. Das ist ihm zu ordinär. Aber ein berufener Snob, wie ist er? Freundlich, zurückhaltend, etwas gleichgültig, nie sarkastisch aber stets federleicht ironisch.
Auf den wahren Snob passt auch ein Satz von La Rochefoucauld: «Le vrai honnête homme est celui qui ne se pique de rien.» Auch rühmt er nie seine eigenen Taten und Ideen und beurteilt jene seiner Umgebung nur dann, wenn er penetrant danach gefragt wird.
Belesene Snobs halten Literatur-Nobel-Preisträger und vor allem Bestseller-Autoren primär zwar sicher für massentauglich, aber wirklich gute Autoren für eine specie rara für eine Minorität von Lesern.
Snobs reden nur über Bücher, die sie nicht nur einmal gelesen haben. Zum Beispiel die «Aphorismen zu Lebensweisheit» von Schopenhauer oder «Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman» von Laurence Sterne. Natürlich betrübt es sie, dass sie nur mit wenig Leuten über diese Lektüre sprechen können.
By the way: Warum gelten Engländer als Snobs? Weil sie das insulare Dasein bereits gewohnt sind? Und warum die Franzosen? Weil ein Citoyen der Grande Nation sich selbst genügt? Und die Deutschen? Völlig undenkbar. Snobs sind nie laut, rechthaberisch und schroff; und sie verdecken ihre Vorurteile subtiler.
Resümee: Ein Snob ist jemand, der sein Handy nur am Sonntag von 0050 bis 0150 einschaltet, aber dennoch sehr selten telefoniert. Und Edgar Wallace sagte mal, Snobs wären Männer, die behaupteten, es gäbe Interessanteres als Frauen.
Und noch dies von Unbekannt: Ein Snob ist jemand, der Petersilie bei Fleurop, ein Dandy ein Mann, der seine Bouquets in einem Blumenladen in der Savile Row bestellt, ganz in der Nähe von seinem Schneider, z. B. bei «Huntsman and Sons Ltd», 11 Savile Row, London W1S.
Zur vertiefenden Illustration noch ein paar Beispiele.
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