Gästeseite
Wer einem eine E-Mail schreibt …

Lea Grossmann, Kolumnistin beim General-Anzeiger Region Brugg und der Rundschau wird ziemlich sicher Antworten erhalten, denn sie schreibt von kostenpflichtigem elektronischem Schreibverkehr. Hier der Wortlaut:
E-Mails sollten kostenpflichtig werden. Wie Briefe. Marke drauf, und ab die Post. Oder eben durch den Datenkosmos. Einen Franken pro E-Mail. Dieser Gedanke hat Charme.
Stellen Sie sich vor, wie leer die Inbox wäre. Keine Newsletter, an deren Abonnierung man sich nicht erinnern kann. Keine Mails mit Betreffzeilen wie «Dringend!!!» und ohne Inhalt. Keine Links, die man nicht anklicken darf, kein Hinweis auf Pakete, die man nie bestellt hat, keine vermeintlichen Erbschaften aus Nigeria.
Wussten Sie, dass weltweit rund 171 Milliarden Spam-E-Mails täglich Postfächer erreichen? Das entspricht knapp 48 Prozent des gesamten E-Mail-Verkehrs. Man stelle sich vor, wie viel Strom das verbraucht. Ohne Spam gäbe es keine Strommangellagen und keine Energiekrisen. Die Strompreise könnten sinken und unsere Nerven sich erholen.
Endlich Ruhe im Posteingang. Ein Luxus, den man heute nur noch aus den frühen Zweitausenderjahren kennt. Mit der Kostenpflicht gäbe es nur noch E-Mails, die es wirklich braucht. E-Mails mit Inhalt. Mit Sinn. Mit einem Grund, gelesen zu werden.
Und für jedes «CC» gäbe es übrigens eine überproportionale Gebühr. Ein Traum. Wer zehn Leute ins «CC» setzt, zahlt nicht zehn, sondern fünfzig Franken. Wer «zur Kenntnis» schreibt, zahlt einen Zuschlag. Wer «nur zur Info» schreibt, einen Strafzoll.
Und wer kassiert diese Gebühren? Sicher nicht Microsoft oder Apple. Nein. Das Geld fliesst in Fonds. Ein Teil in einen Klimafonds. Das hat den angenehmen Nebeneffekt, dass wir aus dem rechten Lager kaum noch E-Mails erhalten würden. Ein anderer Teil in einen Aufrüstungsfonds. Damit erledigen sich die meisten Mails aus dem linken Lager.
Und ein Teil in die AHV zur Finanzierung der 13. Rente. Wahrscheinlich die sinnvollste Idee. Weitere Vorschläge zur Verteilung der E-Mail-Gebühren nehme ich gerne entgegen. Per Leserbrief. Oder per E-Mail. Noch sind sie ja gratis. Leider. Bitte auf:
lea.grossmann@me.com
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Heben doch bitte auch Sie wie Ueli Keller die Hand - oder wie hier den Finger hoch - greifen Sie in die Tasten und bereichern Sie diese Seite mit thematisch freien Beiträgen Ihrer Wahl. «Indignez-Vous!»
Wie immer gilt auch hier: Keine unflätigen Pejorativa und Ruf-morde, sondern Intelligenzbelege mit viel Selbstironie, Schalk und von mir aus auch mit Talk.
Senden Sie bitte Ihren Text an info@valentin-trentin.ch . Er wird dann nur formal bearbeitet und unverändert publiziert.

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Kommentare (5)
Ja, das sind wir. Da gibt's nur eins bei den sozialen Medien: gar nicht hinsehen und schon gar nicht da mitmachen. Ist wie mit dem Krieg, wo keiner hingehen will.
Ich denke, da sind wir uns doch einig: Die sogenannten sozialen Medien scheinen vor allem dem Zweck zu dienen, Dummheit zu befördern, Fundamentalismus zu zementieren, das gesellschaftliche Gefüge zu destabilisieren und die Gehirne aufzuweichen. Das kündet sich eine völlig neue Art von Aufstand der Doofen und Bekloppten an.
Gar nichts, Herr Keller. Wer sich solche Exkremente und Giftstoffe zumutet, sollte das Angebot der Krankenkassen für eine nervenärztliche Konsultation wahrnehmen.
… und was halten Sie von Facebook, Instagram, X, Bluesky, Threads, Mastodon, LinkedIn, YouTube, TikTok und ...?
Wenn einer eine E-Mail schreibt, da kann man meistens gar nichts erleben, es sei denn, man freut sich auf Millionenerbschaften und imaginäre Paketsendungen. Die Gebührenidee gefällt mir ausserordentlich. Man müsste sich nur noch auf die Tarife einigen. 1 Cent pro Wort?