Gästeseite

Heute kein «Querbeet»

Lea Grossmann schreibt regelmässig für die Kolumne «Querbeet» im General-Anzeiger der Region Brugg und die «Rundschau» für den Ost-Aargau. Sie macht das leidenschaftlich gerne, berät professionell Firmen in Content-Marketing-Strategien inklusive Kampagnen und setzt diese auch um. Hier ihr Text:

Manchmal sitze ich vor einer leeren Seite und denke, heute schreibe ich etwas Gescheites. Etwas, das hängen bleibt. Und dann mache ich den Fehler, die News am Handy zu checken. Einmal quer durch die Weltlage. Und plötzlich ist kein Platz mehr für Leichtigkeit. Überall Krisen, Konflikte, Schlagzeilen, die den Morgenkaffee bitter schmecken lassen.

Unter diesen Umständen ist es unmöglich, eine Kolumne zu schreiben. Und schon gar nicht eine mit einem Augenzwinkern. Also überlege ich, einfach einen Witz zu erzählen. Aber Witze sind heikel. Irgendjemand fühlt sich immer angegriffen. Also lasse ich das.

Dann eben etwas Unverfängliches. Frühling vielleicht. Sonne, Blumen, Aufbruch. Klingt solide. Bis sich diejenigen melden, für die Frühling vor allem eines bedeutet: Niesen, juckende Augen und der stille Wunsch nach einer pollenfreien Zone. Also auch kein Selbstläufer.

Folglich zurück zum Alltag: In einer Skihütte fragte eine Frau einen Mann mit Skischuhen und Helm, ob er mit den Ski unterwegs sei. Früher hiess es, es gebe keine dummen Fragen. Jetzt bin ich mir da nicht mehr so sicher. Aber auch das trägt keine Kolumne.

Dann kam mir die Idee, über Sätze zu schreiben, die man nie sagen würde. Zum Beispiel: «Ich habe viel gelernt, als ich die Kommentarspalten gelesen habe.» Aber das reicht ebenfalls nicht weit.

Und so sitze ich immer noch hier. Mit einem Kopf voller Gedanken, die sich im Weg stehen. Alles ist zu gross, zu klein oder zu geladen. Vielleicht ist genau das ein Thema. Dass heute alles gewogen und bewertet wird. Und man sich fragt, ob es nicht gescheiter wäre, einfach zu schweigen.

Ich könnte jetzt noch einen versöhnlichen Schluss schreiben. Etwas mit Hoffnung. Das würde sich gut machen. Aber nein, heute nicht. Heute bleibt es bei halben Ideen und verworfenen Ansätzen. Beim nächsten Mal dann wieder mit Plan. Vielleicht. Oder wenigstens mit einer guten Antwort auf eine dumme Frage.

lea.grossmann@me.com


Irre Welt

Gästeseite 48 090426

Verirrungen-Verwirrungen von Petra Rau

Soeben eingetroffen ein Kommentar in Gedichtform zum Thema Irre Welt und Schweigen von Ernst Bannwart.

Wir Menschen bleiben immerzu
Am Kommen und am Gehen
Ein Leben ohne Rast und Ruh
Und immerzu am Drehen

Wir wüssten gerne, was wir tun
Und wüssten gern weshalb
Und wüssten ferner gern für wen
Und wissen‘s doch nur halb

Es irrt der Mensch, solang er strebt
Sagt Goethes Dichterwort
Und wenn darob die Erde bebt
Wir irren munter fort

Die Zeit, sie lockt und stellt das Bein
Peitscht vorwärts und steht still
Die Unruh tickt, man schickt sich drein
Das Rad dreht wie es will

Mal müssen wir und wollen nicht
Und wollen ohne Muss
Der Krug geht bis der Brunnen bricht
Zum Knacker wird die Nuss

Aus Schwarz wird Weiss und umgekehrt
Der Braten wird zur Glut
Haudegen haben neuen Wert
Wer zaudert, zahlt Tribut

„Wer hat, der hat“ heisst die Moral
Wer nicht, der hat‘s verpasst
Die Ethik ist für‘s Jammertal
Wer passt, der wird zur Last

Wem so die Welt zuweilen kann
Wird zum Gedanken neigen:
„Worüber man nicht sprechen kann
Darüber muss man schweigen“


Redaktionskommentar zur Rubrik HOME
Spinoza übrigens meint: «Sicherlich würde das menschliche Leben weit glücklicher verlaufen, wenn der Mensch ebenso gut zu schweigen wie zu reden vermöchte. Aber die Erfahrung lehrt uns mehr als genug, dass der Mensch nichts so schwer beherrscht wie seine Zunge.»


Kommentare (1)

Benno Staufer am 13.04.2026 10:49

Auch das vom Kirchturm
Ist meist nur Irrtum.
Was wir von dort so hören,
Kann uns doch nicht betören.

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