Kritikon

Heikel und oft Glückssache: Konzertkritiken

Ja und das sowohl sprachlich wie inhaltlich. Doch lesen Sie selbst diese Auszüge aus einem gutgemeinten Kommentar zum Jahreskonzert einer Stadtmusik.

«Behutsame Klarinettentöne, mit denen die Idylle dieser offenbar unbeschwerten Zeit schön beschrieben wurde.» (Schreibende Klarinetten?)

«Der Stadtmusik ist es da wirklich toll gelungen, die entsprechenden Gefühle zu generieren.» (Musik als Gefühlsgenerator im Kraftwerk an der Aare?)

«Die Schönheit und Imposanz der Stadtruine.» (Imposanz der Stadtruine: Da ist hoffentlich nicht Brugg gemeint.)

«Es war insgesamt etwas zu laut.» (Wer ist hier «es»?)

«Hervorzuheben bleibt der Mut des Orchesters, sich an die schwierigen Lieder heranzuwagen.» (Blasmusik als Lieder? Schubert rotiert.)

«Auch die Solos (Soli?) kamen sehr schön daher.» (Zu Fuss und im Marschtakt?)


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Die Obristen der Vereine
Schon seit Jahrzehnten lässt sie sich beobachten. Die Tendenz, irgendwelche Präsidentinnen und Präsidenten von irgend-welchen bedeutungsvollen Vereinen zum Beispiel als «Oberster Schulleiter der Schweiz» zu titulieren.

Mal weiterdenken: Da dürfte dann aber auch nicht der «Oberste Gynökologe» fehlen. Oder der «Oberste Kaninchen-züchter», der «Oberste Wetter-frosch», die «Oberste Oberin», der «Oberste Bauernfänger» oder der «Oberste Autist».

Und natürlich auch nicht der «Oberste Schriftsteller der Schweiz». Wer soll das denn sein? Bärfuss, Bichsel, die beiden Beutler, Burren oder Capus? Alles falsch. Es ist eine «Oberste Autorin». Sie heisst Jacqueline Aerne.