Satirikon

Wienerli-Kulturkampf in Wohlen AG

Das Staunen neigt sich ins Unendliche. Die Frage, ob Poulet-Wienerli oder solche vom Schwein an der Kinderfasnacht in Wohlen AG verteilt werden sollen, hat in der AZ rekordverdächtige 236 Kommentare evoziert, von denen man allerdings nicht weiss, ob sie, von Ausnahmen abgesehen, im Zustand spiritueller Erleuchtung oder doch bloss in statu vinolenti carnevalorum verfasst wurden.

Man weiss es nicht. Man erkennt bloss, dass die Debatte mit einer Leidenschaft geführt wird, die an die Wirrnisse der Sonderbundskriege erinnert, die jetzt ansatzweise als eine Art Fortsetzung des Kulturkampfes mit den Mitteln des fleischverarbeitenden Handwerks erstanden sein könnten.

The Clash of Civilizations ausgetragen von Würschtliköpfen mittels Karton-untersatz auf Wienerli- und Senfniveau.

Nun gut, dass ein frommer Muslim kein Schweinefleisch essen darf, gehört in jene Sphäre religiös begründeter, konfessioneller Dogmatik, für die der Rationalist unserer Tage genau so wenig Verständnis aufbringt, wie für das Zölibat katholischer Priester oder für die christliche Variante göttlicher Zeugungsvorgänge.

Zu den Fakten noch dies: Von den 8.4 Mio Einw. der Schweiz sind 5.1 % Muslime, also etwa 428'500 Personen. Zirka 25 % von diesen geben an, mindestens einmal pro Woche oder zwischen 6 Mal pro Jahr und mindestens einmal pro Monat die Moschee zu besuchen.

Aber immerhin zirka 75 % gehen 1 bis 5 Mal oder gar nie zum Gebet. Kurz: Wie bei unseren Konfessionen auch hier Tendenz fallend, ein progressives Minderheiten-problem: quo vadis religio? Zurück ins blutige Mittelalter mit den Islamisten?

Zum Schluss noch das: Das Gerücht, in den Poulet-Wienerli sei Schweinefleisch enthalten, stimmt nicht. Hingegen Pouletfleisch 53%, Poulethaut, Wasser, Pouletfett, Nitritpökelsalz (jodiertes Kochsalz, Konservierungsstoff: E 250), Gewürze, Kartoffelstärke, Glucosesirup, Traubenzucker, Antioxidationsmittel: Ascorbinsäure, E 331, Stabilisator: E 450. Bon appétit, les enfants de Muhammad.


Kommentare (1)

Ernst Bannwart am 30.12.2018 21:57

Frisch zurück aus Wien schliesse ich mich natürlich dem Wienerliprotest an, wenn auch aus ganz anderen Motiven. Es geht einfach in unserer heutigen Zeit nicht mehr an, unzählige Wiener einfach so zu verwursten und sie dann unter dieser niedlichen Verkleinerungsform in den übrigen EU- und nicht EU-Staaten dem Volk zum Frass vorzuwerfen. Jetzt, wo wir im Juni nächsten Jahres wieder ein neues Wienerli erwarten dürfen, erst recht nicht. Diesen Senf musste ich einfach noch dazu geben.

Bonmots des Tages

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Eiskunstlaufen

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60er-Jahre: Oleg Protopopow und Ljudmila Beloussowa

Sie und er im Fintnesscenter vor dem Fernseher, wo gerade Eiskunstlaufen wie immer ohne Ton gezeigt wird. Er: «Finde ich langweilig.» Sie: «Ja, da müsste man halt die Musik dazu hören können.» - «Ja gut, aber dann bitte ohne Bild.

Du Weichei!

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«Du bist ein Weichei.» - «Ja, mag sein, aber du weisst dafür nicht, wie man Eier kocht.»