Kritikon

Zum Tod von Philip Roth

Philip Roth (rechts im Bild) ist verstorben. In der NZZ hält ihn eine Stefana Sabon für einen der grössten Autoren Amerikas. Das mag durchaus sein. Aber diese relativierenden Superlative? Müssen die sein? Literatur ist doch kein Formel-1-Rennen. Und ob das Sabon'sche Verdikt stimmt, kann ich nicht beurteilen.

Ich sollte das auch nicht, denn ich habe, soweit ich mich erinnere, kaum eine Zeile von Roth gelesen. Das scheint jetzt wohl mein «Human Stain», mein literatur-biografischer Schandfleck zu sein.

Ertragen wir ihn mit gepflegter Fassung. Zudem lässt sich das jederzeit nachholen. Beginnen könnte man mit Roths erstem Erzählband «Goodbye Columbus». Dann reden wir weiter.

Wie ist das übrigens mit dem «Das musst du unbedingt gelesen haben.»? Warum denn und wozu?

Was geschieht mit mir, wenn ich, jetzt nur mal zum Exempel, weder Bichsel noch Burger, weder Capus noch Cavelty, weder Frisch noch Fringeli, weder Suter noch Sutermeister kaum gelesen habe und wohl eher nie wieder lesen werde?

Nichts Zentrales. Da gibt’s ja noch anderes und andere. Im Moment wieder J. D. Salinger oder Claude Cueni, wenn man seine Repetitions-Zwänge grossmütig übersieht und seine Zynismen mag.

Zwei Beispiele: Ein kranker Sohn wird von seiner Mutter in einen Wallfahrtsort geschleppt. (San Damiano, kenne ich, hübsches Städtchen) Cueni schreibt:

«Die Sonne brannte erbarmungslos auf uns nieder, alle schwitzten und trieften vor Schweiss, sie benutzten Parfums, die an biologische Kriegsführung erinnerten.»

Oder: «Es wimmelte in diesem kleinen Dorf nur so von Menschen, als gebe es an diesem Tag schwarze Socken zum halben Preis.»

Ist doch gut, oder? Macht doch Lust auf mehr, oder etwa nicht? Ja, auch auf Roth.

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Partout Konspiration?

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40 Prozent der Amerikaner sollen offenbar glauben, dass die Anschläge auf das World Trade Center von der US-Regierung organisiert und die Mondland-ung getürkt sei. Das kann übrigens Erdogan besser, das Türken, meine ich. Zwei Fünftel der Amis glauben vermutlich auch, dass Trump ein guter Präsident sei. Ist er aber nicht.

Frage: Haben die gleichen Verschwörungs-Deliranten noch alle Datteln an der Palme, wenn sie verbreiten, Trinkwasser würde mit Tranquilisern versetzt? Wenn man hingegen die partiell geistig pennenden Leute auf Strassen und Plätzen beobachtet, ist man wieder versucht, an versprühtes Pentobarbital zu glauben.

Und dass die Erde eine Scheibe ist. Oder das Impfen Autismus verursache. Wobei zu ergänzen wäre, dass Verschwörungs-Phantasmagorien (Was für ein hübsches langes Wort.) ja auch als Variante von Autismus interpretiert werden könnte.

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Head-Line der AZ:
«Quad-Fahrer stösst mit Auto zusammen – Helikopter fliegt ihn schwer verletzt ins Spital.»
Den hätte man fliegen sehen wollen, den schwerverletzten Helikopter.

Head-Line der AZ zum Zugs-unglück in Schinznach-Bad:
«Er sass auf der Zug-Toilette, als die Lok in den Kran krachte: "Das hätte Scheisse rauskommen können".» Fragt sich jetzt nur wo genau.