Aphorismen

Neue Serie Aphorismen
«Operette sich wer kann!»

Lieben Sie Operetten? Dann lesen Sie bitte das hier nicht. Für den Musikgeschmack kann niemand was dafür.

Die Operette gilt als etwas diskreditiert, weil Franz Lehárs «Lustige Witwe» zu Hitlers Lieblingswerken zählte.

Viele Operetten verhalten sich zur Oper wie jene Femmes du Demi-monde zu einer veritablen Dame du Monde. Doch zugegeben: «Ganz ohne Weiber geht die Chose net».

Heurige Operetteninszenierung tun so, als müssten sie den Ständestaat wiederbeleben und besingen en permanence eine Sehnsucht nach dem Grafen Schmalzky und Gräfin Profansky.

Ich mag fast alles an Österreich und an den Österreichern. Aber ihre Operetten: Grauslich, grauslich! No joo, net alle.

Dumme Frage: Was ist der Unterschied zwischen Operette und Musical? Es gibt keinen. Beide sind seicht und handeln mit dramatsch absurden und aufgeblasenen Bagatellen. Ausnahmen: Offenbach und Bernstein!

Im Diminutiv des Wortes Oper enthüllt sich nicht bloss eine Opéra en miniature. Nein, da ist alles klein und kleinlich, eine Art Bonsai-Oper, herzig anzusehen und anzuhören aber dennoch unglaubwürdig.


Kommentare (3)

Valentin Trentin am 25.04.2018 11:07

Also das mit dem Bons-Ei ist schon sehr peinlich. Daran werde ich spätestens an Ostern 2019 wieder schmerzlich erinnert. Dann wird es auch Zeit für eine neue Operette. Titel: «Ein Osterhase vor der Tür». (Nach Jacques Offenbachs «Ein Ehemann vor der Tür»)

Ernst Bannwart am 24.04.2018 14:39

Nichts einzuwenden, Eure Intendanz, ausser natürlich, dass man Bonsai mit a schreibt. Und eine wieder einmal erduldete letzte (im Sinne von kürzlich und abschliessend) Operette "Der Opernball" war geradezu eine Majestätsbeleidigung des gleichnamigen Tanzanlasses.

Gustav A. Lang am 22.04.2018 19:08

Ich freue mich über die Operetten- und Musical-Ausnahmen: Offenbach und Bernstein, vor allem jedoch Offenbachs geniale «La belle Hélène». Und natürlich die köstliche «My fair Lady» von Frederick Loewe, Musik, und von Alan J. Lerner, Buch und Liedtexte, einer Adaption der Komödie «Pygmalion» von George Bernard Shaw.

Und Karl Kraus meint:

img

In der Operette ist die Absurdität vorweg gegeben. Sie setzt eine Welt voraus, in welcher die Ursächlichkeit aufgehoben ist, nach den Gesetzen des Chaos, aus dem die andere Welt erschaffen wurde, munter fortgelebt wird und der Gesang als Verständigungsmittel beglaubigt ist. Der »Operetten-unsinn« versteht sich von selbst und fordert nicht die Reaktion der Vernunft heraus. (...) Der Gedanke der Operette ist Rausch, aus dem Gedanken geboren werden; die Nüchtern-heit geht leer aus.