Satirikon

Oberholzer ist zurück und teilt den Schlammpoeten aus

Oberholzer ist wieder da. Und gleich in voller Lautstärke. Er teilt wieder mal aus. Dieses Mal eine Feuerwalze gegen die fixen Schnelldichter aus den Imbissbuden der Slam-Poetry. Ob Libsig, Simon oder Ziegler: Laut Oberholzer sind das Kurzzeitverdichter im Wettstreit der poetischen Eintagsflieger. Hören Sie ihn gleich selber:

«Slam-Poetry! Wettschnorren im Temporausch! Quatschen als olympische Disziplin. Also das kommt mir nicht herein, weder allein noch im Verein. Please, slam the door. Quasseln aus vollem Rohr geht aussen vor.
Geschichten in zwei Zeilen, wer schon will da verweilen? Karge Novellen in zwei Minuten? Ist was für Vers-Rekruten. Potz Hölderlin und Schiller, sind ätzend, diese Versekiller? Pointiert und knackig soll er sein, der schnelle Reim. Sagen die verwegen. Bin trotzdem dagegen.
Sind Sie denn beim Wortverlesen, schon mal dabei gewesen? Bitte, wenn Sie gerne Zeit verschwenden, dann lassen Sie sich blenden.
Wenn Sie Kurzweil suchen, sofort ein Ticket buchen. Wie aus einem Kurzroman, so hören sich die Geschichten an: Rauchen, husten, spucken, innehalten, rauchen.
Da qualmt das Hirn, da tropft die Stirn, wenn der Text als Stenogramm verdichtet und zernichtet wird.
Oder wir wär’s mit Zeilen wie diesen, die uns die gute Laune vermiesen: Mist, Pin drei Mal falsch eingegeben. Naja, wenigstens habe ich Ruhe. Aber eingesperrt im Keller. Wenigstens im Weinkeller.
Ihr habt's getroffen, klingt ganz schön besoffen. Meine Frage, ihr Flaschen, ihr Plaudertaschen: Mal die Augen reiben, eine Satire schreiben? Doch wozu die Hatz, ist eh für die …! Na bitte, das ging doch flink, wenn auch nicht mit links!»


Nachtrag: Soweit unser Oberholzer. Er hat nie behauptet, ein Poet zu sein.


Kommentare (1)

Ernst Bannwart am 25.04.2018 10:09

Aus dem Herz gesprochen. Und natürlich habe ich mich beim Thema Slam, das ich ja auch so slimm finde, gleich noch eine meiner Glossen dazu ausgegraben. Ist aber zu lang, um sie als Kommentar einzufügen. Und eine Wochenzeitschrift hat sie auch nicht übernommen, hatte vielleicht Angst, den einen oder anderen Rumslammer zu vergraulen. Dir als pötisch Seelenverwandtem jedoch sei‘s andachtsvoll getrommelt und gepfiffen.

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Kommentar Ernst Bannwart:

«Slammen Sie auch schon Poetry?»

Da haben wir also seit geraumer Zeit eine neue Kunstform, die unter dem aerodynamischen Namen «Slam Poetry» die Bühnen zum Zittern bringt. Passt ja wunderbar in unsere Zeit, wo dauernd alter Wein mit neuen Schläuchen abgefüllt wird.

Die herkömmlichen Versli-schmiede fühlen sich in Anbetracht dieser Neupositio-nierung natürlich im Zwiespalt, ob sie auf ihrer alten lyrischen Rangierlokomotive weiterfahren oder doch den verbalen TGV besteigen sollen.

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