Kritikon

Zwei Repliken und etwas Poesie

Zeitungslektüre ist hilfreich. Jedenfalls für den Kritiker und an diesem Wochenende in der AZ. Gleich zwei Mal wurde er herausgefordert. Und nebenbei zur Poesie. Übrigens: Kennen Sie die Herren? Links Reinhard Gehlen, 1. BND-Chef und Ex-Generalmajor der Wehrmacht, rechts Lt Colonel James H. Critchfield, CIA, hier in Zürich. Beide sind hier ganz sicher nicht als Spione eines Sozialamtes unterwegs.

Hexenjagd auf Versicherungsbetrüger?

Die SP-Basis fröstelt angeblich in «sozialer Kälte» und zittert vor den konkreten Aufklärungs-Massnahmen gegen Leute, die zu Versicherungsbetrug und Sozialschmarotzertum ein inniges und poetisches Verhältnis pflegen. Schon sprachlich verleihen die Genossen – ja doch, auch die Frauen – ihrem Degoût abschätzigen Ausdruck. Man forciert missfällige Wörter wie «Versicherungsspione, Sozialdetektive, Rentenpolizei, Missbrauchsagenten und Sozialspitzel», wo doch eigentlich Begriffe wie Kontrolle und Aufklärung angemessener wären. Der alte Grundsatz wird dabei sträflich ignoriert: Vertrauen ist gut, Kontrolle … Sie wissen schon.


Der böse Wolff und Trump

Irrtümer sind ein konstituierender Bestandteil des Lebens. Wie angenehm wäre es gleichwohl, wenn der US-Journalist Michael Wolff recht behielte, und «sein» Präsident wirklich «zu dumm wäre, einen Krieg anzufangen» oder die «Chancen für ein Amtsenthebungs-Verfahren (impeachment) bei über 50 Prozent» lägen. Wolff zögert auch nicht zu beteuern, dass «ein Treffen mit Nordkoreas Diktator nie stattfinden» würde. Und dass der Medien-Zar Murdoch den Twitterking für einen Idioten hält, will man aufgrund verdächtiger Plausibilität lieber nicht kommentieren.

Nachtrag: Dass «Roseanne» angeblich Trumps liebste Dumpfbacken-TV-Serie sein soll, ist vermutlich kein Irrtum. Ganz sicher nicht wird es «The Big Bang Theory» sein. Too sophisticated, too based on scientific-evidence.

Poesie zu einem Geburtstag

Auch Dichter feiern Geburtstage oder werden kollegial und stilistisch in schummrigen Grautönen befeiert. Das könnte dann auszugsweise so klingen:

Nach achtzig Jahren
Der liebende Elias
im Mondlicht
zwischen Glück und Schmerz
bewahrend schwermütige dunkle Tönung
in Trauer ob der vertanen Zeit
auf der Suche nach einem besseren Leben,
hinaus ins Grosse,
hinunter ins Intime,
wo er die Spur im Sand verlor.

Machen Sie sich bitte keine Sorgen um meine poetische Qualifikation. Ich imitiere bloss.

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Nix geht ohne Meisterschaften

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Ob Poetry Slam-Wettbewerb (Poetenschlamm), Miss Univer-sal, Klagenfurter Wettlesen, Blasmusikconcours, Büchner-Preis oder Kaninchen-Ausstel-lung: Es ist immer dasselbe. Eine Orgie des Superlativs: Wer hat den schönsten (Goldfisch), die grösste (Wampe), den längsten (Atem), den dicksten (Schlitten) den herzigsten (Osterhasen)? Wer grölt am lautesten (Arische Jugend), wer schreibt am besten (J. M. Simmel), wer spuckt am weitesten (?) und wer verdient am meisten (Joanne K. Rowling)? Mein Wettbewerbsvorschlag. Wer schweigt am besten?

Das Böse und die Morde von Rupperswil

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Kommentar von AZ-Autor Christoph Bopp
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