Kritikon

Facebook und leider kein Ende

Wenn jemand glaubt, er könne mit Facebook und anderen debilen Social-Media seine existentielle Not überwinden, dem gebührt, zusammen mit Netzwerk-forschern, ein Ehrenplatz in der Hall of Blame.

Die fehlgerühmten «Freunde» sind seine Schemen der Illusion. Zu ihr gesellt sich die Selbsttäuschung, dass «jene Menschen eher unglücklich werden, die Facebook passiv nutzen.» (Peter Gloor, Netzwerkforscher) Die Glücklichsten sind aber wohl jene, denen Facebook zu gar nichts nutze, sondern schnuppe ist.

Wer demnach viele Likes generiere und Messages erhalte, werde eher glücklich, sagt der erwähnte Netzwerkforscher. Nebenbei: Was für eine sinnerfüllende Lebensaufgabe, im Netzwerk herumzugrübeln.

Und dann noch dies: Ist digital erzeugtes Glück tatsächlich Glück? Bewahrt es vor Einsamkeit und Isolation? Und sorgen soziale Medien tatsächliche für kollektive Intelligenz? Seit wann findet man in Kollektiven Intelligenz? Da dominieren doch der allgemeine Durchschnitt, die gesellschaftlichen Vorurteile, das seichte Apéro-Geschwätz und topographisches Talkshow-Geplauder.

Dennoch: Lieber das Analoge in lebendigen Gruppen als digital Anonymes vom Morgen bis zum Abend im kalten Raum des Unwirklichen.

Und zuletzt das: Man darf erkennen, was alles man nicht wissen muss. Man lernt dabei wieder einmal das Staunen, also laut PLATON die Einstellung eines Mannes (Ja, ja, auch der Frau.), der die Weisheit wahrhaft liebt, denn es gäbe keinen anderen Anfang der Philosophie als diesen.

Unsere Epoche allerdings als eine von Weisheit durchtränkte zu beschreiben, gleicht eher dem enttäuschenden Versuch, im Facebook tief Durchdachtes zu entdecken. Und sei's geklagt: Unsere Epoche besäuft sich mit Unwesentlichem. Das merken Sie spätenstens dann, wenn Sie sich im Fitnesscenter Werbung von Radio Argovia anhören müssen.

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Nix geht ohne Meisterschaften

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Ob Poetry Slam-Wettbewerb (Poetenschlamm), Miss Univer-sal, Klagenfurter Wettlesen, Blasmusikconcours, Büchner-Preis oder Kaninchen-Ausstel-lung: Es ist immer dasselbe. Eine Orgie des Superlativs: Wer hat den schönsten (Goldfisch), die grösste (Wampe), den längsten (Atem), den dicksten (Schlitten) den herzigsten (Osterhasen)? Wer grölt am lautesten (Arische Jugend), wer schreibt am besten (J. M. Simmel), wer spuckt am weitesten (?) und wer verdient am meisten (Joanne K. Rowling)? Mein Wettbewerbsvorschlag. Wer schweigt am besten?

Das Böse und die Morde von Rupperswil

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Kommentar von AZ-Autor Christoph Bopp
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