Aphorismen

«Nach Golde drängt, am Golde hängt, doch alles.»

Wenn jemand sagt, er habe die Nase, ein anderes Organ oder den Kanal voll von jenen Retortenworten und Handstreichen der Politiker beiderlei Geschlechtes, dann wird man diesen Menschen verstehen. Aus ähnlichem Grunde verschwindet die Rubrik POLITIKON für eine Weile und räumt dem Nachdenken und den Nachdenklichen unter dem Titel PHILOSOPHIKON mehr verbalen Raum ein. Wir starten mit monitären Spekulationen und einem besonderem Hinweis auf G. C. Lichtenberg.

«Nach Golde drängt, am Golde hängt, doch alles. Ach wir Armen!» Wenn Goethes Gretchen heute sähe, wie sie drängen und woran sie sich hängen, sie würde noch mehr bittere Tränen vergiessen.

Zum Beispiel über einen Y., der laut az mit der Kryptowährung Bit-coins und dem Verbundsystem Blockchain innert vier Wochen aus 5000 Franken zuerst 40'000 und dann 135'000 Franken generiert hat. Er besass 270 Bitcoins, die heute heute einen Gegenwert von rund vier Millionen Franken hätten. Hätte, hätte, Fahrradkette!

Der Rest ist spekulativer Konjunktiv, die Modalform der Gierigen. Denn ein paar Tage später war alles wieder weg und noch eine weitere Blase voller Mutmas-sungen geplatzt. 

Und damit sind wir bei der Frage, warum spekulieren Menschen mit Bitcoins, mit Margin- und Future-Trading oder mit Aktien? Warum drängen sie nach dem Golde, jonglieren mit Moneten statt mit Gedankenpaketen? Verfolgen die Kursentwicklung statt die eigene? Irgend eine Idee?

Ist es, weil ihr Himmelreich aus einem Lotus-Sportwagen besteht, wie bei Y.? Weil Sie sie sich Dinge leisten wollen, die andere nicht haben können: Gänseleber, Kugelfisch und Kaviar? Diamanten, Pelze und einen Jaguar. Und eine Villa an der Côte d’Azur, die ein halbes Jahr lang leer steht, weil man noch ein Schloss in Schottland erworben hat. Nichts dagegen. Warum nicht? Aber was danach und sonst?

W
as sind Besitz und Reichtum, wenn man ein Plattkopf und eine Dampfnase geblieben ist, die 1000 Bücher im Salon zur Schau stellt, keines gelesen hat und bei «Lichtenberg» nur Bahnhof in Berlin versteht.

Unser Georg Christoph Lichtenberg aus Göttingen hat über diese goldgierigen Blasenstecher und Belesenheits-Imitatoren etwas passendes gesagt: «Ein Buch ist ein Spiegel, wenn ein Affe hineinsieht, so kann kein Apostel herausgucken.»


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