Kritikon

Ist Böhmermann lustig?

Bitte sagen Sie es uns: Was eigentlich ist an Herrn Böhmermann lustig? Dass er noch schneller Wörter abfeuert, als ein durchschnittliches, verbalbundeshoch-deutsches MG das kann? Dass er vor der Kamera herumhampelt, als hätte man ihm eine Hagebutte in die Hose gesteckt. Und dass er uns immer mit Kunstgrinsen andeutet, dass das jetzt eben eine drollige Bemerkung gewesen war.

Oder findet man es einfach kurzweilig, wenn er Seichtes über Fontanes «Effi Briest» verbreitet? Das sei eine als Gesellschaftskritik getarnte Altherrenfantasie.

Dürrenmatts «Die Physiker» seien ein Parabelgeschwurbel, eine angesäuselte Mixtur aus Edgar-Wallace-Film und «Mad Men»-Besäufnis. Die Männer kippten hier unentwegt Schnäpse, während sie Frauen in Kitteln auf den Hintern hauen.

Und Goethes «Faust»? Das sei das Werk eines alternden Akademikers, der seine Lust auf zu junge Frauen poetisch zu bemänteln versucht.

Was aber bemäntelt Böhmermann, wenn er zum Beispiel Schweizer und Österreicher als «dilettantisches Doppelpack» apostrophiert, weil beide Nationen ihre Landeskennzeichen an den Autohintern nicht mit SCH oder Ö, sondern mit CH und A anschreiben?  

Weiss der gute deutsche Mann nicht, wie Mehrsprachigkeit die Kulturen der Schweiz prägt, und das allenfalls noch passable S bereits an Schweden vergeben worden war?

Und weiss der Herr Piefke auch nicht, dass Ö als nicht internationaler Umlaut nicht zugelassen werden konnte und dieses A vielleicht noch eine Restbindung der Österreicher an lateinische Kultur belegen könnte? Etwas, was ihm eventuell fehlt und er nun seinerseits mit boshaftem Gelaber bemänteln muss.

Natürlich weiss Böhmermann das alles. Noch mehr. Er geniesst seine Scheinunwissenheit. Er führt uns vor. Er will uns bloss veralbern. Aber das muss man können. Klar, doof ist er nicht. Doof ist nur, dass er Satire mit Häme verwechselt.

Und gleich noch einen draufhaut, wenn er Grüsse an die wenigen Schweizer versendet, die intellektuell in der Lage wären, seine Sendung zu verstehen. Ja, ja schon gut. Wir denken langsam, sind geistige Troglodyten und überhaupt in den Wäldern zu Hause!

Dass es aber bei Böhmermann wenig zu verstehen gibt, lassen wir jetzt mal beiseite, denn wie soll man etwas verstehen wollen, das daherkommt wie ein ICE und so viel Spass bereitet, wie eine Fahrt mit ihm?

Mal auf preussisch im Kasernen-Hofton geschnarrt: «Böhmermann, daher, herhören! Sie sind nicht lustig. Verstanden? Es reicht nicht einmal zum Kompaniekalb. Sie sind hin und wieder witzig, aber selten auf eigene Kosten. Und Sie sind langweilig, laaaangweilig, langweilig! Wiederholen! Wegtreten!»


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