Ad Personam

Wieder mal Benn lesen?

Von sich sagte er einmal: «Wenn man (…) von den Nazis als Schwein, von den Kommunisten als Trottel, von den Demokraten als geistig Prostituierter, von den Emigranten als Renegat, von den Religiösen als pathologischer Nihilist öffentlich bezeichnet wird, ist man nicht so scharf darauf, wieder in diese Öffentlichkeit einzudringen.» Da weiss man sich als Leser und als Autor sofort verstanden.

Wenn man Gottfried Benn zitiert oder auch nur seinen Namen erwähnt, dann kann man mit drei Reaktionen rechnen. «Benn, wer ist das?» -«Benn, das war doch dieser Nazi-Befürworter?»- «Benn, ja sicher, aber ich versteh’ den nicht.»

In der Tat, er macht es einem nicht immer leicht. Manche seiner Sätze muss und wird man mehrere Male lesen wollen, aber dann bleiben sie haften, wie etwa diese aus dem Roman «Doppelleben».

Leben und Denken
«Das was lebt, ist etwas anderes als das, was denkt. Dies ist eine fundamentale Tatsache unserer Existenz und wir müssen uns damit abfinden.»

Dialektik der Existenz
«Jeder Gedanke ruft sofort seinen Gegengedanken hervor, man denkt ihn, man schreibt ihn, und im selben Augenblick ist schon der Gegenstoss da und reisst in um. (…) Wenn Dinge sehr lange gedacht werden, fallen sie ins Nichts. So die Dinge der Macht und des Geistes, der Ordnung und des Chaos, des Staates und der Freiheit.»

Oder des Lobbying' in der Kulturpolitik à l’Argovienne, welche einmal mehr mit Übermass dem Mittelmass zu frönen droht. Lesen wir doch mal wieder Benn, dann relativiert sich unser ephemeres Kulturbild ziemlich rasch und fundamental.

Kommentare (0)