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Vom Schein zum Sein

Helmut Schmidt und Gottfried Benn: Etwas haben sie gemeinsam, nämlich ihre leidvollen militärischen Erfahrungen.

«Der Schein ist gegen mich, doch darf ich hoffen,
Daß ich nicht nach dem Schein gerichtet werde!» (Schiller)

Erkenntnis nach einer Zeitungslektüre (Wehrmachtbilder in Bundeswehr-kasernen): Würde man zwei alles andere als gleichartige Persönlichkeiten, nämlich Helmuth Schmidt und Gottfried Benn, nur aus der Schein-Optik des Militärischen beurteilen, liefe man Gefahr, ein sehr eindimensionales Portrait zu entwerfen.

Seine bittere Erfahrung

Sieht nicht sehr glücklich aus, der Mann.

Helmuth Schmidt als Nazi zu bezeichnen, weil er im 2. Weltkrieg Offizier in der Luftwaffe war, ist etwa so absurd, wie zu behaupten, jemand der eine Pistole besitze, verstehe es auch zu schiessen.
Man könnte die These wagen, gerade weil Schmidt unter Nazis dienen musste, wurde er in der Konfrontation mit dem bösartigen Irrsinn und den Geschwüren dieses Eroberungskrieges der Gangsterbande um Hitler zu einem der Demokraten, die Deutschland so bitter nötig hatte und hin und wieder auch wieder nötig hat.

Sein tragischer Irrtum

Ein ungewohntes Bild, eine Pose?

Oder nehmen Sie Gottfried Benn, der 1933/34 kurzzeitig der Vision verfiel, die Brüllhorden der Nazis, die «Neue Zeit der voranflatternden Fahnen» entsprächen seiner Vorstellung von dem, was Volk und Nation begehre: Neue Mythen, Expansion und das Aufwühlende der Kunst. Die sei nämlich «oberflächlich, politisch, auch intellektuell und rational überhaupt nicht zu begreifen.»

Ist ja nicht ganz falsch, wenn Benn anfügt: «Es ist eine Sache der Dämonie, ein anderes Wort habe man gar nicht dafür. Eine dämonische, geheimnisvolle Angelegenheit. Und wer das auflösen will in Rationalismus und Bequemlichkeit und Bezugswünsche, der ist sehr weit weg von den Dingen.»

Eine kurze Periode lang war das Benn auch. Er hat aber für seinen traumatischen Taucher in den völkischen Reichs-Rausch-Sumpf bitter bezahlen müssen.Trotzdem bleibt er als Lyriker und Prosaist einer der ganz Grossen, der im Krieg keinen anderen Ausweg sah, als in die Wehrmacht zu «emigrieren» und als Oberstarzt sich dem tödlichen Zugriff der SS-Lumpenbande zu entziehen.

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